TALA MADANI – #216 Oven Light

Portikus

  • 09.02.2019. - 07.04.2019

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Die Ausstellung Oven Light von der in Teheran geborenen und in Los Angeles lebenden Künstlerin Tala Madani (*1981) setzt ihren Fokus auf neue, serielle Malereien und Animationen, die mit ähnlich strukturierten Motiven den Rahmen für ihre Erzählungen erzeugen. Oven Light ist die erste institutionelle Einzelausstellung Tala Madanis in Deutschland.

Die Werke Tala Madanis zeigen profane Lichtquellen, wie Ofenrohre, Projektoren und Taschenlampen. Sie stellen das Licht selbst als projiziertes, (er)leuchtendes und strahlendes Medium dar, und setzen das, was es zum Vorschein bringt, in Szene. Assoziationen wie klassisch-malerisches Können oder auch das Lichtspiel als ein früher Begriff für Kino kommen in den Sinn, welche die gemalten oder echten Lichtprojektionen auf der Leinwand magisch erzeugen.

Ebenfalls der Idee von Magie folgt das Licht in den Bildern Madanis, wenn es irreale Szenerien, wie die Gedanken von Männern in ihrem Kopf, zu erleuchten vermag; oder wenn es in pseudorealen Malereien, als vermeintliche Eck-Projektionen, das Licht von der einen Seite auf die andere Seite leuchten zu lassen scheint. Die Figuren in den meist auf dunklem Hintergrund gemalten Arbeiten gehen einer ähnlichen (aus heutiger Sicht) naiven Neugierde nach: Schattenspiele, Hasenohren und Zaubertricks sind die Motive, mit denen Tala Madani von Licht und dessen Qualitäten erzählt. Prismatische Farbflächen erläutern schließlich das Licht bis in seine Einzelteile.

Die Malereien und Animationen erzählen von primären Verhaltensweisen, negieren Darstellungskonformitäten und legen gleichzeitig gesellschaftspolitische Regeln offen. Machtdynamiken, patriarchalische Strukturen und gegenwärtige Bildpolitiken werden durch menschliche Triebe, Splattermovie-Effekte und sexualisierter Körperlichkeit bloßgestellt. Das Licht der Werke zeigt vermeintliche Schattenseiten – kindliche Expressionen, Gewaltphantasien und Triebhaftigkeit. Das gesellschaftlich normierte öffentliche Verhalten wird in den dunklen Filmchen überspitzt, so dass sich die Figuren in den Werken ihren Bedürfnissen hingeben können oder gar müssen.

Oft taucht die Dominanz der Triebe auf, welche die männlichen Figuren zu Geißeln ihrer selbst machen. Sie werden zu Rudeltieren und der Mann zum willenlosen Körper, samt seiner Funktionen. Die Figuren gehen sich immer wieder selbst auf den Leim, sei es durch die eigenen Bedürfnisse oder durch die unbekümmerte Freude an scheinbar einfachen Dingen wie Licht und Schatten. So wird der Ofen zur Lichtquelle einer profanen Umgebung und damit zur Falle einer missverstandenen möglichen Erleuchtung.

Tala Madanis Arbeiten hüpfen von Traum zum Trieb, von verbotenen Gedanken zu unvermeidbaren Bedürfnissen. Klischees decken die Dynamik der Gesellschaft auf, der Slapstick führt die Wahrheit vor Augen. So haben die Arbeiten etwas Befreiendes, genau das, was die Erwachsenen an Kindern beneiden. Oft genug fühlt man sich als Gaffer, der auf einen Unfall wartet und belohnt wird.


EN

The exhibition Oven Light by the Tehran-born and Los Angeles-based artist Tala Madani (*1981) focuses on new serial paintings and animations that create the framework for their narratives through similarly structured motifs. Oven Light is Tala Madani's first solo exhibition in Germany.

Tala Madani’s works show mundane light sources, such as stovepipes, projectors, and flashlights. They present light itself as a projected, brilliant, and radiant medium, and draw attention to what it reveals. Associations with classical painterly skills or the play of light as an early cinematic concept come to mind, magically creating the painted or real light projections on the canvas.

The light in Madani’s images also follows this idea of magic when it illuminates unreal scenes, such as men’s thoughts in their heads, or in pseudoreal paintings, when it seems to shine from one side to the other as a supposed corner projection. The figures in the works, most of whom are painted on a dark background, follow a similar—from today's perspective—naive curiosity: shadow plays, bunny ears, and magic tricks are the motifs Tala Madani uses to tell of light and its qualities. Prismatic color fields ultimately break light down into its individual parts.

The paintings and animations communicate primal behaviors, negate the conformities of representation, and at the same time reveal sociopolitical rules. Power dynamics, patriarchal structures, and contemporary image politics are exposed by human drives, effects from splatter films, and sexualized physicality. The light in the works reveals supposed dark sides: childish expressions, violent fantasies, and animal instincts. Socially normal public behavior is exaggerated in the dark little films, so that the figures in the works can—or even must—succumb to their desires.

The dominance of these drives, which turn the male figures into their own scourges, often surfaces. They become pack animals, and the man, along with his functions, turns into a submissive body. The figures repeatedly fool themselves, whether through their own desires or through the mindless joy of seemingly simple things such as light and shadow. In this way, the oven becomes the light source for a mundane environment, and consequently the trap of a mistaken possible enlightenment. Tala Madani's works jump from dream to drive, from forbidden thoughts to unavoidable desires. Clichés unveil the dynamics of society, slapstick plainly shows the truth. In this way, the works have something liberating about them, exactly what the adult world envies in children. One quite frequently feels like a rubbernecker, who is waiting for an accident and will be rewarded.