David Lynch – Smiling Jack

Galerie Karl Pfefferle

  • 07.09.2017. - 04.11.2017
  • Gerade geschlossen

Im Rahmen des großen Lynch-Retrospektive zeigt das Filmmuseum München am 14.09 um 19 Uhr den Film "David Lynch: The Art Life" mit einer Einführung von Karl Pfefferle.

Mai 2007 Wie immer bei Parisreisen besuchte ich mit meiner Frau die Druckwerkstatt für Kunstlithografie Idem, deren Eigentümer hochrangige internationale Künstler einlädt, die direkt dort arbeiten. So kam es auf der engen Wendeltreppe der Druckerei zu meiner ersten Begegnung mit David Lynch, ein Auftritt wie auf der Bühne: die Haare hochgetürmt, das Gesicht zerfurcht aber freundlich, schwarzer Mantel bodenlang, ein paar Höflichkeitsformeln und ein Händedruck, den ich nie vergesse. Nicht, weil er so fest oder so lasch war, sondern weil sich seine Hand anfühlte wie Seide, das Material dessen Konsistenz man in vielen seiner Filme durch bloße bildliche Darstellung glaubt spüren zu können.

Die große Ausstellung „The Air Is On Fire“ in der Fondation Cartier ging gerade zu Ende. Von diesem Augenblick an ließ mich die Arbeit dieses unvergleichlichen Künstlers nicht mehr los: Seine Aquarelle und Zeichnungen, seine Materialbilder und nicht zuletzt seine Fotografien.

Im April 2009 fand David Lynchs erste Ausstellung in meiner Galerie statt und zu diesem Anlass kam er nach München. Keine Spur von Überheblichkeit. Reiner Holzemer, der großartige Dokumentarfilmer war „zufällig“ da und hat diese Begegnung in einem kurzen Film festgehalten.

Juni 2017

In LA werden schon die Kisten gebaut, um die kostbare Fracht sicher nach München zu bringen. Seit Wochen, Mailverkehr zwischen LA Hollywood und München: Die Auswahl der Werke für die Ausstellung „Smiling Jack“ in meiner Galerie im September. Bildertitel schwirren in meinem Kopf umher: „Egg of Words“, „Smiling Jack“ aber auch the dark side of David: „House Burning with Dead Man“, „Fire“ oder „Pain Comes Out“. Die Ausstellung wird „Smiling Jack“ heißen. Sie zeigt ausgewählte Zeichnungen, Gemälde und Fotografien, die alle auf ihre Art Lynchs einzigartigen Kosmos widerspiegeln. Der Künstler geht sparsam mit Farben um und die Bildtitel fügen sich oft als freie Schrift in seine Kompositionen ein. Er entwickelt seine Bildwelten aus der Dunkelheit heraus, sie scheinen mehr zu verbergen als preiszugeben und ihre Anziehungskraft ist oft in einer Mischung aus Bedrohlichem und Skurrilem begründet. Das Geheimnis liegt hinter und unter den Dingen und die Wahrheit in diesem Geheimnis.

Begleitend zur dieser Ausstellung zeigt das Filmmuseum München eine große Lynch-Retrospektive. „David Lynch: The Art Life“ (14. September, 19 Uhr) hatte auf der Venedig-Filmbiennale Premiere und befasst sich auf geniale Weise mit dem bildnerischen Schaffen David Lynchs. Er studierte an der Kunstakademie Philadelphia und kam über die Malerei zum Film: „Es gibt Dinge, die sich mit Worten nicht ausdrücken lassen. Die Malerei zieht sich durch alles andere hindurch“, so Lynch. Nach diesem Film kann man verstehen, welche große Bedeutung die Malerei für David Lynch hat. Es ist nicht der Zeitvertreib eines erfolgreichen Filmemachers, aber das wusste ich schon vorher und ebenso jeder, der seine Bilder und Zeichnungen schon gesehen hat. Ich freue mich immens auf die Ausstellung und auf das, was sie in den Besuchern auslöst.

(Karl Pfefferle)