DIE ERSTEN JAHRE DER PROFESSIONALITÄT 37 – Federico Delfrati . Stefanie Gerstmayr . Saskia Groneberg . Lou Jaworski . Angela Stiegler . Sophia Süßmilch . Andreas Woller

BBK - Galerie der Künstler

  • 24.04.2018. - 20.05.2018

Vernissage: Dienstag, 24. April 2018, 19 bis 22 Uhr

Begrüßung: Anita Edenhofer, Vorsitzende BBK München und Oberbayern e. V.

Performance: „Anti Körper – Eine Übung zu Freundschaft und Feindschaft“ von Angela Stiegler

Führung: Donnerstag, 3. Mai, 18 Uhr mit Maresa Bucher

Ausstellungsdauer: 25. April bis 20. Mai 2018

Der Berufsverband Bildender Künstler München und Oberbayern e. V (BBK) präsentiert 2018 bereits zum 37. Mal die Arbeiten junger, talentierter Künstlerinnen und Künstler im Rahmen der Förderreihe „Die ersten Jahren der Professionalität“. Die Ausstellung wie auch die begleitende Publikation sollen den Kunstschaffenden zu einer größeren Sichtbarkeit verhelfen und so eine wichtige und substantielle Unterstützung in den ersten Jahren nach dem Verlassen der Akademie bieten. Die GALERIE DER KÜNSTLER stellt sieben Künstler*innen vor, deren Werk einen Überblick über das vielseitige und hochwertige künstlerische Schaffen in München geben.

Federico Delfratis Arbeitsweise verbindet die Neugierde der Menschheit, das fast schon wissenschaftliche Interesse an dem „großen Ganzen“, mit der Suche nach der richtigen formalen Umsetzung. Die Perspektive des Astronomen wurde zum Ausgangspunkt um menschliche Identität, beziehungsweise deren Rolle innerhalb der Natur, zu beobachten und zu interpretieren. Die Doppelvideoprojektion Lampadedromia (dt. Fackellauf) zeigt Bilder der Sonne, die in exakter zeitlicher Synchronisation aufgenommen wurden: Die Bilder wurden an den gegenüberliegenden Enden der Weltkugel aufgenommen und so sehen wir einerseits den Aufgang und andererseits den Untergang. Federico Delfrati (*1987 in Legnano, Italien), lebt und arbeitet in München. 2006-2009 Kommunikationsdesign, Politecnico di Milano, Italien. 2010-2012 Druckgrafik, Accademia di Belle Arti di Brera, Milano, Italien. 2012-2015 Studium der Bildhauerei, AdBK München bei Prof. Hermann Pitz. 2015 Diplom.

Stefanie Gerstmayr begibt sich in ihren Installationen, Videos und Animationen auf philosophische, wissenschaftliche oder politische Untersuchungen. Sie legt in ihren Arbeiten inhaltliche Spuren, die sich durch ein längeres Betrachten nach und nach entschlüsseln lassen, aber nie auf eine vollständige Lesbarkeit abzielen. In der Galerie der Künstler untersucht Gerstmayr Fallstricke von Affekt und Sehnsucht. In einer rhizom-artigen Struktur verbindet sie unterschiedliche Forschungsstränge, u. a. zur Deutschen Romantik und Psychoanalyse. Stefanie Gerstmayr (*1989 in Augsburg), lebt und arbeitet in London. 2008-2015 Studium bei Prof. Rehm an der AdBK München, Diplom als Meisterschülerin. Seit 2016 ist sie Teil des zweijährigen MFA Fine Art Programms des Goldsmiths College in London.

Über den Topos der artifiziellen Natur untersucht Saskia Groneberg, wie abstrakte Konzepte über die Politiken des Zusammenlebens, über Gemeinschaft und Kultur dargestellt werden können. Sie verbindet in ihrer künstlerischen Arbeit unter anderem fotografische Konzeptkunst und Dokumentarfotografie, so gelingen ihr Bilder, die gleichermaßen präzise sind, aber auch eine eindringliche, komplizierte Schönheit in sich tragen. In ihrer Buchkunst wie auch den Foto- oder Videoarbeiten fordert sie die Sichtweisen auf klassische fotografische Sujets und Sehgewohnheiten heraus und arbeitet auf so an einer Erweiterung des fotografischen Kunstbegriffs. Saskia Groneberg (*1985 geboren in München), lebt und arbeitet in München. 2006-2012 Studium Kommunikationsdesign an der AdBK Stuttgart. 2013-2015 Meisterschülerin von Heidi Specker, Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig.

Lou Jaworskis Arbeiten reflektieren strukturelle Hierarchien und untersuchen ephemere oder transformative Prozesse – seine künstlerische Praxis lässt sich wie ein kontinuierliches verdichtetes Spiel mit Zitaten und Konzepten lesen. Trotzdem funktionieren die Objekte immer auch – und in erster Linie – über die visuelle Ebene als präzise, sinnlich erfahrbare Kunstwerke. Erst wenn man eintaucht, den Titel oder die Materialbeschreibungen liest, wenn man also nach dem ersten ästhetischen Erfahren anfängt seine Gedanken spielen zu lassen, dann entdeckt man immer weitere Schichten, konzeptuelle Zugangsmöglichkeiten und Meta-Ebenen. Lou Jaworski (*1980 in Warschau), lebt und arbeitet in München und Berlin. Ab 2012 Studium Skulptur / Installation an der AdBK München. 2015 Meisterschüler Prof. Gregor Schneider. 2016 Diplom, Debütantenpreis.

Der menschliche Körper präsentiert sich in Angela Stieglers Arbeiten immer wieder als ein abstraktes Phänomen, er verliert kontinuierlich seine feste Form, wird fluide und spekulativ. Stieglers neuste Arbeit „Anti Körper – Eine Übung zu Freundschaft und Feindschaft“ untersucht Körperpolitiken ausgehend von der Zeichentrickserie „Es war einmal… das Leben“. Das Innere des Körpers wird zur Bühne für anthropomorphe AkteurInnen, in Bewegung zwischen Immunität und Invasion. Angela Stiegler (*1987), lebt und arbeitet in München und Berlin. Ihre künstlerische Praxis entwickelte sich aus Tanz und Bildhauerei. In ihren Video-, Performance-, und Textformaten arbeitet sie in kollaborativen Zusammenhängen mit geteilter AutorInnenschaft. Studium (2007-2014) und künstlerische Mitarbeit (2015-2018) an der Akademie der Bildenden Künste München. Mitbegründung der KünstlerInneninitiative >K<, die als hybrider Ort des Austauschs zwischen KünstlerInnen und DenkerInnen unterschiedlicher Disziplinen in Karlsruhe (2013), Berlin (2015), Athen (2016) und auf der Insel Hydra (2017) stattfand.

Seit vielen Jahren perforiert Sophia Süßmilch kontinuierlich die Grenze zwischen KünstlerInnen-Avatar und Privatperson, in dem sie den Unterschied zwischen Performerin und Selbst immer wieder neu in Frage stellt. Auch ihre neue Serie an facebook-Postings dreht sich um das spielerische Changieren zwischen real und fiktiv: Die Posts werden zu irritierenden, distanzlos erscheinenden Ministatements ohne feste oder klare SprecherInnen-Identität. Süßmilch verwendet das Selbstvermarktungswerkzeug facebook als Medium für eine künstlerische Auseinandersetzung und versteht es als Abstraktionsrahmen und Ausdrucksform gleichermaßen. Sophia Süßmilch (*1983 in Dachau), lebt und arbeitet in Wien. 2006-2015 Studium Freie Kunst, Bildhauerei bei Prof. Stephan Huber, AdBK München; 2010-2012 Studium bei Schorsch Kamerun, AdBK München; 2011-2012 Studium kontextuelle Malerei bei Prof. Ashley Hans Scheirl, AdBK Wien; 2012-2013 Stipendiatin an der HfG Karlsruhe bei Prof. Isaac Julien. 2015 Diplom als Meisterschülerin AdBK München.

Für Andreas Woller ist ein Kunstwerk ein sinnliches Erkenntnismedium: ästhetische Strukturen bilden die Sprachen mit denen wir die Welt erfassen und Aussagen über unsere Wirklichkeit treffen können. Seine Arbeiten konfrontieren die BetrachterInnen mit der Spannung zwischen Form, Farbe und Raum und entwickeln dabei eine emotionale, direkte Wirkung. In der GALERIE DER KÜNSTLER gibt er Einblicke in eine neue Serie postapokalyptisch wirkender Versuchsanordnungen. Es sind zum Teil stark ausdifferenzierte Räume, aber auch ruinenhafte, fragmentarische Modelldarstellungen, die die Fragen nach der menschlichen Lebensform und dem Lebensraum durchdeklinieren. Andreas Woller (*1979 in Erding), lebt und arbeitet in München. 2003-2008 Magisterstudium der Philosophie an der Universität Regensburg und LMU München. 2008–2013 Studium bei Prof. Albert Hien, Akademie der Bildenden Künste, München.

(Pressemitteilung / press release)