Jan van Imschoot – Flowers for Angela

Galerie Karl Pfefferle

  • 22.06.2017. - 02.09.2017
  • Gerade geschlossen

Flowers for Angela

Herbst 2011. Jan Hoet folgt der Bitte, eine Ausstellung in meiner Galerie zu kuratieren. Einer der vier Künstler seiner Auswahl ist der Maler Jan van Imschoot, geboren 1963 in Gent. Merkwürdige Bilder sind das, seltsame Themen: Ein weiblicher Akt kauert im Schein einer Kerze, aber nein, es ist keine Kerze, die Flamme kommt aus dem nach oben gereckten Daumen der Dargestellten und verbreitet ein Licht wie bei de la Tour. Der Hintergrund ist dunkel wie in der venezianischen Malerei des Seicento. Aber nicht wirklich de la Tour oder Venedig, es ist eindeutig eine Malerei von heute, die aber auf die Erkenntnisse alter Malerei aufbaut und sie nicht verleugnet.

  1. April 2017. Wir stellen auf der Art Brussels aus. Bilder von Jan habe ich nicht mitgenommen, ich wollte nicht als Deutscher den Belgiern einen Belgier vorsetzen. Er ist dort ohnehin ein Star. Er besucht uns auf unserem Stand. Es ist eine gute Freundschaft in den Jahren entstanden. Ein mächtiger Mann, bisweilen trägt er eine Seemannskappe wie Helmut Schmidt, die Stimme durchdringender Bass-Bariton, herzliches Händeschütteln, flämisches rollendes R.

  2. April 2017. Wir bereiten die nun dritte Einzelausstellung von Jan vor. Der Transport mit den Bildern ist da. Es sind fast ausschließlich Werke von 2016/17. Intensive Farben, die Dunkelheit der ersten Ausstellung breitet sich nur auf einem einzigen Werk aus: Ein Bischof mit geblendeten Augen steht vor seinem eigenen Leichnam. Das ganze Bild ist in pastosen Farben modelliert, eigenartig beleuchtet von einem unidentifizierbaren Licht, das in der Krümme des Bischofsstabes zu entspringen scheint. Vergangenheit und Zukunft vereinen sich.

Fast alle anderen Bilder enthalten Texte, teilweise ungelenk geschrieben, ganz in der surrealistischen Tradition. Da kommt der Belgier zum Vorschein, période vache, ceci n’est pas une pipe von Magritte, das hat Jan van Imschoot auch geprägt. Es gibt ein Blumenstilleben, „La Revanche des fleurs“, die Stiele der Blumen seltsam verrenkt wie die Arme indischer Tempeltänzerinnen, einige noch mit Blüten, bei anderen sind sie schon abgefallen. „Rache der Blumen“, weil sie vergehen, nicht mehr als Dekoration dienen wollen. Überall auf Jan’s Bildern findet man diese „Fußangeln“, diese Irritationen, die die Gedanken des Betrachters zugleich fesseln und in Bewegung bringen. Das ist Jan van Imschoots Kunst, ausgeführt mit den Mitteln der Malerei. Ich liebe Malerei. Und ich liebe Jan van Imschoots Malerei.

Karl Pfefferle

(Pressetext / press release)