JAN MERTA – My Fault?

Galerie Rüdiger Schöttle

  • 14.09.2018. - 24.11.2018

Anlässlich der OPEN art 2018 zeigt die Galerie Rüdiger Schöttle Arbeiten des renommierten tschechischen Malers Jan Merta. Erste Ansätze die Malerei des Künstlers zu beschreiben scheitern bei dem Versuch das Gegenständliche in der völligen Reduzierung der Form zu erkennen. Das Auge wird auf den ersten Blick mit einer minimalen Darstellung eines Gegenstandes konfrontiert, der sich erst bei weiterer Betrachtung konkreter und plastischer entfaltet.

Jan Merta, einer der großen tschechischen Maler, prägt ein neues Verständnis von Kunst. Er dekonstruiert die Abbildung der Realität in der Malerei, indem er alltagsbezogene Objekte solange abstrahiert, bis sich der eigentliche Gegenstand in der reduzierten Darstellung verliert, jedoch wurde die Grenze zur Abstraktion in seinen Gemälden nie überschritten. Formel und Inhaltlich haben seine Arbeiten den Gegenstand nie verlassen. Merta studierte an der Akademie der bildenden Künste in Prag während der kommunistischen Periode, wollte aber dem sozrealistischen Stil nie folgen. Seine Inspiration bezog der Künstler von Arbeiten Andy Warhols, Barnett Newmans oder auch Mark Rothkos, deren freien Gedanken zur Kunst er in der Bibliothek seiner Hochschule entdeckte. In seiner Malerei arbeitet Merta mit Bildmotiven, die er aus dem Alltag entnimmt, um sie dann zu abstrahieren, so dass die Bedeutung der Motive komplexer und tiefgründiger wird. Eine reduzierte Darstellung des menschlichen Körpers, Porträts, architekturbasierte Elemente oder freischwebende Objekte finden sich häufig in Mertas Arbeiten wieder, sie verändern sich und wirken je nach Perspektive vertraut und intim.

Die Ausstellung My Fault? in der Galerie Rüdiger Schöttle umfasst unterschiedliche Genres von Mertas Schaffen. Alle Arbeiten sind philosophisch miteinander verbunden und auch der Titel der Ausstellung fordert den Betrachter auf, sich mit grundsätzlichen Fragen der Existenz zu befassen. Arbeiten wie Nurse oder Native American gehen inhaltlich auf historische Ereignisse zurück und spielen mit den persönlichen Assoziationen und Fragen zu Leben und Tod. Durch den Ausstellungstitel MyFault? ruft Merta den Betrachter dazu auf, dessen persönliche Erfahrungen auf die Arbeiten zu projizieren, um sich die Auswirkungen der eigenen Existenz auf das Geschehene vor Augen zu führen und sich seiner eigenen Verantwortung bewusst zu werden. Somit transformieren sich die Arbeiten je nach subjektiver Wahrnehmung und nehmen eine Form der individuellen Fantasie an.

Jan Merta (*1952 in Šumperk) studierte in den 1980er Jahren in an der Kunstakademie in Prag, wo er neben České Lhotice bis heute lebt und arbeitet. Im Jahr 2005 und auch 2009 wurde er mit der Auszeichnung Persönlichkeit des Jahres für seine künstlerische Leistung nominiert. Später wurde er zum Jurymitglied für den Jindřich Chalupecký Preis berufen, der jährlich an junge bildende Künstler unter 35 Jahre vergeben wird. Neben der Auseinandersetzung mit dem Thema Mensch sind Architektur und Natur ein eigenwilliges und oft auch ironisch-kritisches Thema seiner Malerei. (S. Sokolov)

Abbildung: Sestřička III / Nurse III, 2018, oil on canvas, 260 x 230 cm

(Pressetext)