Kapsel 07 – Oscar Murillo – Going Forth: The Institute of Reconciliation

Haus der Kunst

  • 15.09.2017. - 18.03.2018

+++ German version below +++

Within only a few years, Oscar Murillo has developed one of the most exciting contemporary artistic practices. While he primarily uses the medium of painting, he defies its conventions in a radical way: he integrates video and drawing, sculptural, installational and performative elements within his presentations, which are inherently intense, immediate and visceral. In Oscar Murillo’s installations, the viewer finds himself within an intelligent, highly aesthetic and simultaneously existential interplay dealing with the understanding of work and play, production and consumption, original and appropriation, center and periphery, as well as the relationship between material and transcendence. While a few years ago Oscar Murillo’s projects often bordered on social experiments, his latest installations are distinguished by a tentative exploration of space through gestures (in painting), and therefore by historical, economical, societal and philosophical associations. His expansive, extremely dense installations comprise heavy, partly torn and resewn canvases. Painted with black oil paint and draped on steel constructions that recall autopsy tables, or hung like laundry on clotheslines, they reorganize space. Scales hung from industrial hooks, akin to memento mori, conduct a taxonomy of measurement. A mix of clay and corn adds unwieldy sculptural touches, like vital signs. Floor, walls, the room itself and the intricacy of perspectives within it merge into a vibrant constellation, a metaphor for transformation itself. The joy, intensity, and fragility of life, with all its irreconcilable simultaneities, become visible, palpable.

The project Frequencies will also be realized during Oscar Murillo’s exhibition at Haus der Kunst. Frequencies is an ongoing collaborative project by the artist together with family members and the sociologist Clara Dublanc, as well as schools in diverse countries. Over the course of six months, canvases are stretched on school desks, encouraging schoolchildren to leave behind their traces, sketches and ideas. Oscar Murillo was born 1986 in La Paila, Colombia, and lives and works in London and La Paila.

Capsule 07 is curated by Anna Schneider.


Oscar Murillo hat sich in nur wenigen Jahren zu einer der aufregendsten künstlerischen Positionen entwickelt. Primär im Medium der Malerei beheimatet, sprengt er zugleich eben diesen Rahmen auf radikale Weise: Er integriert Video, Zeichnung, skulpturale, installative und performative Elemente in seine Präsentationen, denen eine intensive, unmittelbare und viszerale Qualität innewohnt. In Oscar Murillos Installationen findet sich der Betrachter in mitten eines klugen, hoch-ästhetischen und gleichzeitig existenziellen Spannungsfeld in dem es um das Verständnis von Arbeit und Spiel, Produktion und Konsum, Original und Aneignung, Zentrum und Peripherie genauso wie um die Beziehung von Materie und Transzendenz geht. Während sich Oscar Murillos Projekte noch vor einigen Jahren oft im Grenzbereich zu sozialen Experimenten bewegten, zeichnen sich seine jüngsten Installationen heute durch ein tastendendes Erkunden von Raum durch (malerische) Gesten aus und eröffnen damit historische, ökonomische, gesellschaftliche und philosophische Assoziationen. Seine raumgreifenden, extrem dichten Installationen umfassen schwere, teilweise zerschlissene und wieder zusammengenähte Leinwände, die beidseitig in schwarzer Ölfarbe bemalt sind und auf Stahlkonstruktionen, die an die Obduktionstische erinnern, drapiert sind oder wie auf Wäscheleinen aufgehängt, den Raum ordnen. An industriellen Haken montierte Waagen führen zu (einem memento mori ähnelnd) einer Taxonomie des Messens. Ein Gemisch aus Ton und Mais setzt dabei spröde skulpturale Akzente wie Lebenszeichen. Boden, Wände, der Raum selbst, und die Vielschichtigkeit von Blickachsen verbinden sich zu einer vibrierenden Konstellation, einem Bild für Transformation selbst. Sichtbar, spürbar wird die Lust und Intensität genauso wie die Fragilität des Lebens mit seinen unvereinbaren Gleichzeitigkeiten.

Im Rahmen der Ausstellung von Oscar Murillo im Haus der Kunst wird in München ebenfalls das Projekt Frequencies durchgeführt. Frequencies ist ein seit 2013 fortlaufendes gemeinsames Projekt des Künstlers mit Familienmitgliedern und der Soziologin Clara Dublanc und Schulen verschiedenster Länder. Über den Zeitraum von sechs Monaten werden auf den Schulbänken Leinwände fixiert und damit die Schüler dazu angeregt, ihre Spuren, Zeichnungen und Ideen zu hinterlassen.

Oscar Murillo ist 1986 in La Paila, Kolumbien geboren und lebt und arbeitet in London und La Paila. Kapsel 07 ist kuratiert von Anna Schneider.

(press release / Pressetext)