Konstantin Grcic: The good, the bad, the ugly. – Die Neue Sammlung – The Design Museum

Pinakothek der Moderne

  • 12.11.2015. - 28.02.2016

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Für die architektonisch besondere PaternosterHalle in der Pinakothek der Moderne werden ab 2015 in jährlicher Folge Persönlichkeiten des Designs für eine charakteristische und ortsspezifische Präsentation eingeladen.

Dieses Format erweitert die Idee einer temporären Ausstellung und verändert das Bild der Neuen Sammlung: Zehn Monate lang präsentiert die doppelstöckige und von einer Galerie einsehbare Paternoster-Halle die Auseinandersetzung eines Designers mit dem Display des Museums. Die Eigenbewegung der Paternoster-Aufzüge wird dabei die Programmatik einer aktiven Neuen Sammlung spiegeln.

Konstantin Grcic widmet sich in seiner Ausstellung drei Themenkomplexen.

Prozess, Möbel und Architektur sind die Themen von „Konstantin Grcic: The Good, The Bad, The Ugly“. Der Titel, der einem Westernklassiker entlehnt ist, verweist ironisch auf das hohe emotionale Potential von Design und seiner Rezeption.

Die Ausstellung wird begleitet von einer Publikation mit Fotografien von Gerhardt Kellermann, gestaltet von Lambl/Homburger, mit einem Text von Hubert Filser, basierend auf einem von ihm moderierten Gespräch zwischen Konstantin Grcic und dem Leiter der Restaurierungsabteilung Tim Bechthold sowie einer Einführung in das Werk des Designers von Angelika Nollert.

12.11.2015–18.09.2016 (Paternoster-Halle)
12.11.2015–28.02.2016 (Temporär 2)

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  • Modell 1 für Chair_One, 1999/2000-2004
  • Modell 2 für Chair_One, 1999/2000-2004
  • Prototyp 5 für Chair_One, 1999/2000-2004 Fotos: Gerhardt Kellermann © Konstantin Grcic

(Pressetext)

Kommentar
Von Madeleine Freund, Kunsthistorikerin 12. Nov 2015

COWBOYS UND DESIGNER

Man stelle sich eine einsame Kleinstadt im wilden Westen mit einer einzigen Hauptstraße vor, wo der vorangegangene Postkutschenraub gerade bei Sonnenuntergang gerächt wurde - der Sheriff hat den skrupellosesten Bösewicht auf seiner „Most Wanted“-Liste hinter Gitter gebracht. Im Saloon sitzen die Männer mit ihren Revolvern auf roten chair_ONE, trinken Whiskey und spielen Karten. Draußen rollen Strohballen, vom Wind angestoßen, über die vorübergehend wieder friedliche Wüstenlandschaft.

Was haben Western und Design gemeinsam?

Beide haben ihre Wurzeln in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, in der Zeit der Landnahme des amerikanischen Westens und der Industrialisierung sowie beginnenden Arts and Crafts Bewegung in England. Das zentrale Motiv „Go West“ des Filmgenres bezeichnet die Verschiebung der imaginären Grenze zwischen Zivilisation und Wildnis nach Westen. Die imaginären Grenzen des Museums erweitert erneut die aktuelle Ausstellung des Designers Konstantin Grcic „The Good, the Bad, the Ugly“ in der Neuen Sammlung der Pinakothek der Moderne. Der Titel wurde einem Westernklassiker aus dem Jahr 1966 mit Clint Eastwood in der Hauptrolle entlehnt.

Im Ausstellungssaal „Temporär 2“ ist der begehbare TT-Pavillon, der ursprünglich als Messestand für Audi konzipiert wurde, vor einem surrealen Panoramabild installiert. Die Landschaftsmalerei verbindet industrielles Großstadtleben mit Wolkenkratzern und Baukränen mit der kargen, rot-bräunlichen Steinwüste einer Westernkulisse. Dabei dürfte der Malstil den meisten Münchnern gut bekannt sein, der Künstler René Birkner gestaltet regelmäßig die Filmplakate des Sendlinger Tor Kinos.

Grcic hatte zuletzt 2006 eine große Einzelausstellung im Haus der Kunst in München, die er gleichermaßen kuratierte und mit eigenen Objekten bespielte. In ihm verschmelzen die Figuren des Industriedesigners und Ausstellungsmachers. Die aktuelle Präsentation der insgesamt 27 Modelle und Prototypen des chair_ONE und stoolONE verdeutlicht und dokumentiert nicht nur seine außerordentlich detaillierte Auseinandersetzung mit Formgebung und Materialeinsatz, ein ebenso großes Maß an Präzision und Feingefühl liegt auch im Ausstellungsdiplay. Die Exponate befinden sich in glasfreien Vitrinen mit hellgelben Lochstahlrahmen, die vor den dunkelgrau gestrichenen Wänden deutlich hervortreten, den Objekten den nötigen Schutz bieten und sie gleichzeitig nicht überhöhen. Auch die Wandummantelung der Paternoster-Aufzüge bis auf 2,80 Meter Höhe tut der Präsentation der Sitzmöbelhistorie gut und macht gleichzeitig neugierig, welches von Grcics Lieblingsstücken, denen er den Paternoster widmete, als nächstes wieder zum Vorschein kommt.

Die Ausstellung zeigt das facettenreiche Betätigungsfeld des Münchner Designers Konstantin Grcic und bildet einen gelungenen Auftakt für die anstehenden Projekte der Neuen Sammlung unter der Leitung von Dr. Angelika Nollert.