Molly Haslund – Asymmetric Garden

Galerie FOE 156

  • 01.09.2015. - 15.09.2015

Eine Tür, zwei senkrechte Wände, darauf eine Dachschräge: Die Galerie FOE lässt sich lesen als Haus, und als solches hat die dänische Künstlerin Molly Haslund aus Kopenhagen sie eingerichtet. Drei falsche Jugendstilstühle, ein Bett, eine Couch lassen einen Verweis auf ein Zuhause entstehen. Diese vermeintliche Heimeligkeit aber wird Opfer von Kressesamen, die, von der Künstlerin gewässert, innerhalb weniger Tage das Regiment über dieses Interieur übernehmen: in Sitzkissen und Teppichen wurzeln, sich im Bett einnisten und selbst in Pantoffeln eindringen. Den Reminiszenzen kleinbürgerlicher Geschmacklosigkeiten zieht die Kresse einen kurzlebigen Pelz über, der hellgrün in Tausenden von Blättchen leuchtet. In zahllosen energischen Trieben triumphiert die Kresse über die Tristesse und durchdringt den Raum mit ihrer zwieblig duftenden Lebendigkeit.

In diesen Kressepelz schlüpft auch Molly Haslund selbst, gemeinsam mit Anna McCarthy und Gabi Blum, für eine Performance am Montag, den 31. August 2015, um 19 Uhr. Aus dem Poparrangement deutscher Kleinbürgerlichkeit mit Synthetikflausch und Kucheltier wird ein Punkkonzert mit Kostümen aus Kresse prêt-à-porter.

Molly Haslund aus Kopenhagen ist Performancekünstlerin, Musikerin, Bildhauerin, Installateurin, Kostümbildnerin. Mit ihrer Arbeit überschreitet sie die Grenzen künstlerischer Sparten ebenso wie solche der Topographie und der Erwartung: Ein hölzerner Balkon lugt über eine Hecke in einen abgegrenzten Klosterbereich der Abtei Roskilde, Dänemark, eine Sprossenwand im Museum Wanås Konst in Knislinge, Schweden, ist nur zum Hängen da, und aneinandergereihte Schaukeln erlauben und erforderen kollektive Schwünge. Ihre Performances und Objekte spielen mit dem Ort, den Proportionen und dem Publikum und seinen Erwartungen. Mit einem riesigen Zirkel zeichnet sie Kreise um sich selbst und steht doch nicht im Mittelpunkt. All das mit der Ernsthaftigkeit eines eng geschnittenen grauen Anzugs und mit kurzzeitigen Persönlichkeitswechseln, bei denen doch immer eine kleine Distanz zum Dargestellten bleibt.

So entzieht sich auch der asymmetric garden aus Kresse, der die Reminiszenzen unserer Kultur überwuchert, weniger der Symmetrie im Spiegelachsensinn als vielmehr der Kontrolle der Künstlerin und des Publikums. Man fühlt sich erinnert an Detroit, wo der schon lang nicht mehr gemähte Rasen zur wilden Wiese mutiert ist, die die Bürgersteige schluckt, und die Wurzeln einstmals braver Stadtbäume den Teer der Straßen aufbrechen. Hier wie in Molly Haslunds Installation wird offensichtlich, wie dünn und kurzlebig die Schicht der Zivilisation ist. Damit entzieht sich Molly Haslunds Kunst auch der Wertsteigerung, die man so gern von Kunst erwartet. Die objets trouvés vom Sperrmüll unserer Kultur blühen für ein paar Tage auf, um dann bestensfalls zu Kompost zu zerfallen.

kuratiert von : Anita Edenhofer, Korbinian Jaud

ÖFFNUNGSZEITEN: 3., 4.,12. & 13.9. / 14 - 18 UHR & NACH VEREINBARUNG

(Erik Wegerhoff)