Preis der Nationalgalerie – Sol Calero, Iman Issa, Jumana Manna und Agnieszka Polska

Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart

  • 29.09.2017. - 14.01.2018
  • Gerade geschlossen

Programm

Kuratorenführung mit Dorothée Brill
9.12., 13.1., jeweils 11 Uhr
The event is in German
Teilnahme kostenfrei mit Eintrittskarte / Participation free of charge
with admission ticket


Im Herbst 2017 wird der Preis der Nationalgalerie zum neunten Mal verliehen. Initiiert wurde diese Auszeichnung in den 1990er Jahren von den Freunden der Nationalgalerie zusammen mit dem Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin. Seit dem Jahr 2000 wird er alle zwei Jahre verliehen und stellt eine museale Ehrung von Künstlerin- nen und Künstlern unter 40 dar, die in Deutschland leben und arbeiten. In diesem Jahr wurden Sol Calero, Iman Issa, Jumana Manna und Agnieszka Polska von einer internationalen Jury nominiert und zu einer gemeinsamen Ausstellung im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin eingeladen. Die Entscheidung über die diesjährige Preisträgerin wird am 20. Oktober von einer zweiten Jury getroffen und im Rahmen eines Festaktes bekannt gegeben. Mit dem Gewinn des Preises ist eine Einzelausstellung in einem der Häuser der Nationalga- lerie und eine monographische Publikation verbunden.

In autumn 2017, the Preis der Nationalgalerie will be awarded for the ninth time. It was initiated in the 1990s by the Freunde der Nationalgalerie in cooperation with Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin and was awarded in 2000 for the rst time. Awarded biennially, it represents a major honour for artists under the age of 40 who live and work in Germany. This year, an international jury selected Sol Calero, Iman Issa, Jumana Manna and Agnieszka Polska and invited them to a joint exhibition at Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin. The decision on the award winner for 2017 will be made by a second jury on October 20 and announced at a ceremony. Winning the award offers the opportunity for a solo exhibition in one of the Nationalgalerie’s museums and a monographic publication.

Bisher nominierte Künstler und Preisträger / Previously nominated artists and awardees

2015 Christian Falsnaes, Florian Hecker, Anne Imhof, Slavs and Tatars
2013 Kerstin Brätsch, Mariana Castillo Deball, Simon Denny, Haris Epaminonda
2011 Cyprien Gaillard, Kitty Kraus, Klara Lidén, Andro Wekua
2009 Keren Cytter, Omer Fast, Annette Kelm, Danh Vo
2007 Jeanne Faust, Ceal Floyer, Damián Ortega, Tino Sehgal
2005 John Bock, Monica Bonvicini, Angela Bulloch, Anri Sala
2002 Tacita Dean, Michael Elmgreen & Ingar Dragset, Maria Eichhorn, Daniel Richter
2000 Olafur Eliasson, Katharina Grosse, Christian Jankowski, Dirk Skreber

Sol Calero

geboren 1982 in Caracas, lebt in Berlin, born 1982 in Caracas, lives in Berlin

Sol Caleros Installation Amazonas Shopping Center ist der Höhepunkt ihrer langjährigen Auseinandersetzung mit einer „lateinamerikanischen Identität“ und den kulturellen Codes, die damit in Verbindung stehen.In ihrer künstlerischen Praxis halten sich spielerische und kritische Elemente die Waage. Einheimische Architektur, die Ästhetik der Tropen und soziale Interaktion überschneiden sich, und das Paradoxon der „Selbst-Exotisierung“ tritt in den Fokus, wodurch Räume der Partizipa- tion und Re exion entstehen. Calero re ektiert die Vielseitigkeit von Innenräumen bei von Migranten betriebenen Geschäftsbereichen. Sie spielt auf den spontanen und multifunktionalen Charakter dieser Betriebe an, wo der reine Austausch von Waren und Geld durch persönliche Beziehungen, durch die Integration von Familie und Privatleben, sowie geteilte kulturelle Werte, erweitert wird. Mehrere der früheren Installationen vereinend, treffen wir im Amazonas Shopping Center auf einen Haar- und Nagelsalon, auf ein Salsa-Studio, ein Internetcafé, ein Reisebüro, eine Wechselstube und ein Kino. Zu bestimmten Zeiten während der Ausstellung wird das Tanzstudio durch Salsa-Kurse aktiviert. Die 30-minütige Telenovela Desde el jardín (Vom Garten aus) von Calero und der Künstlerin Dafna Maimon ist im Kino zu sehen. Im Internetcafé ndet sich eine von Sira Pizà kuratierte Auswahl von Videos eingeladener Künstler.

Im Hintergrund der Installationen steht die Idee von der Anpassung – an unvorhersehbare Umstände, prekäre ökonomische Verhältnisse oder politische Instabilität, die eine Kultur improvisierter Lösungen hervorge- bracht haben. Calero verwendet Farben, Formen, Muster und Gegen- stände in einer Weise, die gleichzeitig den traditionellen Kanon popu- lärer karibischer Ästhetik würdigt, die keinen Eingang in die westliche Kunstgeschichte gefunden hat, und hinterfragt zugleich den Vorgang der Exotisierung, die Bilder und Gemeinschaften zu Kulturklischees macht. Die Künstlerbiographie dient dabei als Ausgangspunkt für das Ausloten der Bedeutung von individueller und kollektiver Identität und der physischen wie immateriellen Orte ihrer Konstruktion. Calero lädt den Besucher ein, an diesen Ambivalenzen zu partizipieren.

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Sol Calero’s immersive installation Amazonas Shopping Center is the culmination of several years of work focused on the complex cultural codes surrounding Latin American identity. Utilizing vernac- ular architecture, tropical aesthetics, and social interaction, Calero’s practice balances playfulness with criticality, dissecting the para- doxical notion of “self-exoticisation” whilst creating spaces of participation and re ection. Re ecting the multi-purposing of interior space common in immigrant businesses, Calero alludes to the spontaneity and overlapping nature of these establishments, where the economic exchange is transcend- ed by the social relationships established, the integration of family and personal life, and the continuance of shared cultural values.

Agnieszka Polska

geboren 1985 in Lublin, lebt in Berlin / born 1985 in Lublin, lives in Berlin

Ein Zigarettenstummel, ein P aster mit Blutstropfen, verrottendes Obst, spektakuläre UFO-Sichtungen, liquide Körperteile und die verwirrten, puppenhaften Gesichter einer Erde und einer Sonne; all das sind Elemente, die in Agnieszka Polskas Animations lm What the Sun Has Seen (Was die Sonne gesehen hat) aufeinander treffen, einem der beiden in der Ausstellung gezeigten Filme. Die Bild-, Sprach- und Tonelemente wirken mal vertraut und beiläu g, mal eigenartig und bedeutungsschwer. Im Ganzen bilden sie ein sorg- fältig komponiertes Zusammenspiel zur Stimulierung emotionaler Reize. Auf den ersten Blick gilt solch ein poetischer, irrational wirkender Bild uss wie die Schöpfung des individuellen Unbewussten. In Polskas Werken ist diese Flut an Bildern aber vielmehr ein verschlüsseltes Inven- tar der Gegenwart, das das kollektive Unbewusste heraufbeschwört, das sich World Wide Web nennt. Die Figur der „Kleinen Sonne“ ist das zentrale Bindeglied zwischen diesem und dem zweiten Film Polskas. Hier wie dort fällt dieser Sonne die Rolle einer hil osen Beobachterin zu. Darin gleicht sie Walter Benjamins Engel der Geschichte, der von dem Wind des Paradieses rückwärts in die Zukunft geblasen wird, ohne innehalten und in die Geschehnisse eingreifen zu können. Auch die Sonne hat auf ihrer Lauf- bahn keine Möglichkeit, die Ruinen vor ihren Augen vor dem Verfall zu retten und die Welt vor einem ökologischen wie ethischen Kollaps zu bewahren. In ihrem bedrückenden, halb gesungenen Monolog lassen sich Refe- renzen auf die Quantenphysik nden. „Mein Blick bewegte sich in kon- stanter Geschwindigkeit und alles wurde unumkehrbar, in dem Moment, in dem ich es sah“ – so erklärt die Sonne und verweist damit auf eine Annahme der Quantenphysik, derzufolge der Beobachter die Ereignisse im Akt der Beobachtung beein usst. Sie ndet sich also in zwei Rollen verwickelt, die sich äußerlich zu widersprechen scheinen: zum einen in der Rolle der hil osen Zeugin, zum anderen als unausweichlich Ein- greifende, die im bloßen Akt der Betrachtung die Welt zementiert. Auf eine rätselhafte und beunruhigende Weise werden die beiden Filme zu einem in der Schwebe bleibenden Kommentar zum Zustand unserer Welt und stellen die Frage nach unserer ethischen Verantwortung in der Gegenwart.

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A cigarette butt, a Band-Aid with drops of blood, rotting fruit, spectac- ular UFO sightings, liquid body parts, and the disoriented child-like faces of The Earth and The Sun; all of these elements come together in Agnieszka Polska’s animated lm What the Sun Has Seen, one of the two exhibited films. Image, language and sound are arranged to seem familiar and casual, or strange and fraught with meaning, but taken as a whole they are a carefully con gured set of subliminal stimuli. Such a poetic stream of images at rst seems as evoking the personal subconsciousness, but here it functions like an encrypted inventory of the present, more evocative of the collective unconscious that is the World Wide Web. The gure of the ‘Little Sun’ is the central link between this and Polska’s second lm. In both, the sun appears as a helpless observer resembling Walter Benjamin’s Angel of History that was blown backwards into the future by the wind of paradise without being able to pause and intervene in events. The Little Sun has no chance of stopping the ruins from crumbling in front of its eyes while the world undergoes an environmental and ethical collapse. In the sun’s gloomy, half-sung monologue one can nd references to the phenomena of quantum physics. “My gaze was moving at the constant speed, and everything was becoming irreversible the moment I observed it” – declares the sun, referring to the effect in quantum mechanics in which the observer in uences events through the act of observing. Thus, the lmic character is entangled in two roles that outwardly contradict each other: one is the role of a help- less witness and the other is that of one whose very act of observing the world cements it. In an enigmatic and unsettling manner, both lms become a kind of commentary on the state of our world, and pose the question of our ethical responsibility in the present.

Iman Issa

geboren 1979 in Kairo, lebt in New York City und Berlin / born 1979 in Kairo, lives in New York City and Berlin

Iman Issas Skulpturen wirken wie reduzierte Studien zu Form und Material, die einen primär formalästhetischen Diskurs führen. Mitunter erinnern sie aufgrund äußerlicher Ähnlichkeiten an Dinge aus dem Alltag, zum Beispiel an Werkzeuge von nicht eindeutiger Funktion. Erweitert werden die Skulpturen durch Werkbeschriftungen, die jedoch keine Erklärungen liefern. Denn diese Texte sind nicht didaktisches Beiwerk. Sie sind ein unauffälliger, aber zentraler Bestandteil von Iman Issas Serie der „Heritage Studies“, die sie 2015 begann. Eine dieser Studien besteht aus einer runden, goldschimmernden Bronzescheibe, die mit ihrer Kante auf dem Boden steht. An einer der Seiten führt ein runder Metallstab empor und mündet, nach einer Art verschlungenem Bogen, in einem auf dem Boden ruhenden, querlie- genden weißen Quader. Es ist das Werk Heritage Studies #23. Auf dem zugehörigen Text steht zu lesen: „Gedenk-Skarabäus. Skarabäen sollten zyklische Wiederholung und Regeneration symbolisieren. Eine ungewöhnlich hohe Zahl wurde während der 18. Dynastie angefertigt. The International Museum of Ancient Arts and Culture Collection. Kalkstein. 42 x 80 cm, 1394 v. Chr.“ Es wird deutlich, dass diese Informationen auf ein Werk verweisen, das wir nicht sehen und das sich in Material, Größe, Form und Entstehungszeit gänzlich von dem ausge- stellten unterscheidet.

Issas Skulpturen sind Aneignungen und Aktualisierungen von größten- teils antiken Kunstwerken und Kulturgütern durch den Blick der Künst- lerin. Anders als bei Kopien üblich, besteht ihr Bezug zu den Vorbildern nicht in einer visuellen Ähnlichkeit. Vielmehr handelt es sich um innere Resonanzen, die Issa als „mentale Drucke“ bezeichnet. Entsprechend sind auch die Texte ihre eigenen überarbeiteten Beschreibungen der Referenzobjekte und ihrer Herkunft und geben wieder, was Issa wesent- lich scheint in ihrer Relevanz für die Gegenwart. Wie können wir, so fragt die Künstlerin, die Bedeutung und Relevanz von kulturellen Objekten ermessen und vermitteln, die einer gänzlich anderen Zeit und anderem Kontext entstammen? Wie können wir also zwischen ihnen und uns eine Brücke schlagen, die eine wirkliche Verbindung darstellt und sie uns vergegenwärtigt? Für Issa ist diese Verbindung notwendig wandelbar. Entsprechend begreift sie ihre Werke als Studien, nicht als festgefügte Setzungen für die Ewigkeit.

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Iman Issa’s sculptures seem to be studies of form and material that establish a primarily formal-aesthetic discourse. Sometimes their shapes evoke everyday objects, such as tools without a distinct func- tion. Turning to the labels, there is no explanation to nd, but rather the opposite. For these texts are not didactic appendages, but an unobtrusive yet central component of Iman Issa’s series “Heritage Studies” that she began in 2015. One of these studies is composed of a round, gold shimmering disc of bronze with its edge placed on the oor. On one side of it a round metal rod leads upward and ends, after a sort of curved arch, in a rectangular white cuboid resting on the oor. It is the work Heritage Studies #23. The accompanying text reads: “Commemorative Scarab. Scarabs were believed to symbolize cyclical repetition and regeneration. They were issued in unusually great numbers during Dynasty XVIII. The International Museum of Ancient Arts and Culture Collection. Limestone. 42 x 80 cm. 1394 B.C.” It becomes apparent that this information refers to a work that we do not see and which differs entirely from the one exhibited in material, size, form, and date of origin. Issa’s sculptures are appropriations and revisions of mostly ancient artworks and cultural assets through the gaze of the artist. Unlike with copies, their connection to the originals is not based on a visual resemblance. It is rather about inner resonances that Issa describes as “mental prints”. Accordingly, the texts too are her own revised descriptions of the reference objects and their provenance based on what she identi es as key to communicating their relevance to the present. How can we, asks the artist, measure and convey the meaning and relevance of cultural objects that originate from an entirely different time and context? How can we bridge the gap be- tween them and us and constitute a real connection to them present for us? For Issa this connection is necessarily changeable. Conse- quently, she understands her works as studies, not as entrenched permanent settings.

Jumana Manna

geboren 1987 in Princeton, lebt in Berlin / born 1987 in Princeton, lives in Berlin

Überdimensionierte Hohlformen, die wie Körperteile oder Muskeln an- muten, fügen sich mit Plastikstühlen und Metallgerüsten zu einer Installation zusammen, die entfernt an archäologische Ausgrabungen oder Baustellen erinnert. Die mit einer Schicht aus Farbpigmenten und Lack überzogenen Gipsskulpturen White Elbow (Weißer Ellbogen), Blue Elbow (Blauer Ellbogen), Bicep (Bizeps), Torso II, General Dealer (Gemischtwarenhändler) und Grandma (Oma) lagern – gemeinsam mit dem Publikum – gegenüber einer Filmprojektion auf einer matrat- zenbespannten Holzkonstruktion. Jumana Manna erkundet in ihren Filmen und Skulpturen die Wechsel- wirkungen von sozialen, politischen oder zwischenmenschlichen Macht- gefügen mit dem menschlichen Körper. Ihre Filme verknüpfen Fakt und Fiktion, Autobiographisches und Archivmaterial, um die Über- schneidungen und Konstrukte nationaler und ideologischer Narrative zu untersuchen. Im Vergleich dazu wirken Mannas Skulpturen abs- trakter und intuitiver. Sie beschäftigen sich mit der Verfestigung und Erstarrung von Erinnerung, wie sie sich in Artefakten – seien sie real oder ngiert – manifestieren.

Der Film A Magical Substance Flows Into Me (Eine magische Substanz ießt in mich hinein) nimmt auf die Forschungen des jüdisch-deutschen Musikethnologen Robert Lachmann Bezug, dessen Radiosendung über traditionelle Musik im Palästinensischen Rundfunk 1936-37 aus- gestrahlt wurde. Manna – selbst Palästinenserin aus Jerusalem – tritt in seine Fußstapfen und sucht Vertreter der vielen Gemeinden auf, mit denen Lachmann Aufnahmen machte: kurdische, marokkanische und jemenitische Juden, Samaritaner, Mitglieder von städtischen und ländlichen palästinensischen Gemeinschaften, Beduinen und Kopten. Sie spielt seine Aufnahmen ab und bittet die Musiker, die Stücke erneut aufzuführen. Dazwischen zeigt der Film Szenen der Künstlerin mit ihren Eltern in deren Haus, wodurch Manna eine subjektive Ebene in ihre Auseinandersetzung mit dem historischen Stoff ein icht. Der Film stellt einer ausweglosen Situation Lebensfreude und Sehn- süchte gegenüber und spürt die Verbindungen zwischen physisch und kulturell getrennten Gemeinschaften auf. Er stellt die Fixierung des Ethnographen auf Authentizität sowie dessen Bemühungen, diese durch Klassi zierung zu bewahren, in Frage. Mit Humor durchzogen, zielt Mannas Arbeit darauf ab, die Verwobenheit dieser Identitäten sichtbar zu machen, die sich den Auslöschungen und Vertreibungen durch das zionistische Projekt widersetzt.

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Oversized hollow objects resembling androgynous muscles, plastic chairs and metal scaffolds, all form an installation reminiscent of an archaeological dig or an un nished construction site. Made of plaster, coated with pigments and lacquer, White Elbow, Blue Elbow, Bicep, Torso II, General Dealer, and Grandma, are seated on a wooden mattress-clad platform facing a large lm projection, which they share with the audience.Jumana Manna makes lms and sculptures that explore the ways in which social, political, and interpersonal forms of power, interact with the human body. Her films weave together fact and ction, autobio- graphical and archival materials, to investigate constructions of na- tional and ideological narratives. Her sculptures, more abstract and intuitive by comparison, take interest in the calci cations of memory, as represented by the artefact real or forged. In conjunction with the lm, the vessels in the installation become resonating chambers of the micropolitical dimensions of the film. A Magical Substance Flows Into Me revisits the research of Jewish- German ethnomusicologist Robert Lachmann, whose radio programme dedicated to vernacular music aired on the Palestine Broadcasting Service in 1936-37. Manna – a Palestinian from Jerusalem – mimics Lachmann’s footsteps, seeking representatives of the myriad communities he recorded with: Kurdish, Moroccan, and Yemenite Jews, Samaritans, members of urban and rural Palestinian communities, Bedouins and Coptic Christians. Replaying his recordings to these musicians, she asks them to perform, and they do. A series of vignettes of Manna and her parents in their family home intercut these encounters, thereby embedding her own subjectiv- ity within the larger historical narrative portrayed in the film. The film confronts impasse with vitality and desire, as it traces the links between physically and culturally segregated communities. It puts to question the ethnographer’s xation on authenticity and his efforts to preserve it through categorization. Infused with humour, Manna’s work aims to make visible the intertwinement of these identities, resilient to the erasures and displacements enforced by the Zionist project.

Jury 2017

Die vier künstlerischen Positionen der Shortlist wurden von einer ersten Jury ausgewählt. Diese Jury bestand aus Meret Becker, Alexander Beyer, Natasha Ginwala, Alice Motard und Alya Sebti. Am 20. Oktober wählt eine zweite Jury die Gewinnerin des Preis der Nationalgalerie 2017. Wie in den vergangenen Jahren besteht diese Jury aus fünf international agierenden Museumsdirektoren und Kuratoren: / The four shortlist-positions were selected by a rst jury. This jury was comprised of Meret Becker, Alexander Beyer, Natasha Ginwala, Alice Motard and Alya Sebti. On October 20, a second jury will award the winner of the Preis der Nationalgalerie 2017. As in previous years, this jury is composed of ve internationally active museum directors and curators:

Zdenka Badovinac Director of Moderna galerija, Ljubljana

Sven Beckstette Curator at Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin

Hou Hanru Artistic Director of MAXXI Museo nazionale delle arti del XXI secolo, Rome

Udo Kittelmann
Direktor der Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin

Sheena Wagstaff
Leonard A. Lauder Chairman for Modern and Contemporary Art at The Metropolitan Museum of Art, New York


Images

  • Sol Calero, Amazonas Shopping Center, 2017 Installationsansicht Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin © Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin / Trevor Good / Courtesy the artist, Laura Bartlett Gallery, London

  • Iman Issa, Heritage Studies, 2015-2017 Installationsansicht Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin © Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin / Jan Windszus / Courtesy the artist and carlier | gebauer

  • Jumana Manna, Installationsansicht Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin © Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin / Trevor Good / Courtesy the artist & CRG Gallery, New York / VG Bild-Kunst, Bonn 2017

  • Agnieszka Polska, What the Sun Has Seen (Version II), 2017, HD-Animation Installationsansicht Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin © Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin / Jan Windszus / Courtesy Zak Branicka Galerie, Berlin and OVERDUIN & CO., LA

(press release)