THE ISLAND OF PERPETUAL TICKLING – Performance von Vika Kirchenbauer

DISTRICT

  • 25.03.2018. - 25.03.2018

Wenn Kritik „kitzelt“, dann suggeriert das, dass sie zwar leicht reizt, aber weitgehend ohne signifikante Konsequenzen bleibt. In einer idealen Situation passiert das Kitzeln einvernehmlich, ist nicht böse gemeint und respektiert die Grenzen der Gekitzelten ... entweder aus Zuneigung oder Abhängigkeit. Daher scheint es eine interessante Metapher für einen Großteil der "Kritischen Kunst" zu sein, die häufig vor allem existiert, um die Kitzelnden selbst mit einem Gefühl von Handlung und Handlungsfreiheit zu erfüllen. Einem Gefühl, das unabhängig von der tatsächlichen Absicht ist, die Strukturen zu demontieren, die sie stützen. Kunstinstitutionen hingegen brauchen die kitzelnden Künstler*innen aus der Unmöglichkeit des Sich-selbst-kitzelns heraus – jemand Anderes ist erforderlich, deren Bewegungen nicht komplett vorhersehbar sind. Das Kunstsystem als Insel des ewigen Kitzelns ...

Aber "kitzeln" Kunst und Kritik wirklich in dem Sinne, in dem wirkliches Kitzeln es tut?

Tatsächlich hinkt die Metapher an der Stelle, an der Beziehungen des Kitzelns sich in Formen von Dominanz und Missbrauch wandeln, die so von Kritischer Kunst selbst nicht ausgelöst werden können. Kunstinstitutionen und Künstler*innen streben zwar in der Tat nach Macht, doch könnte hier eine genauere Betrachtung des Kitzelns helfen, diese Bestrebungen und Machtphantasien neu zu reflektieren. Kitzeln ist die Folter der bösen Geschwister. Kitzeln ist auch die einzige sozial akzeptierte Handlung zwischen Erwachsenen und Kindern, die an anderer Stelle als militärische Verhörmethode gebraucht wird.

Lachen wird häufig von anderen als Ausdruck der Freude gelesen, obwohl es sich auch um einen falsch wahrgenommenen Panikreflex handeln kann. Wider besseren Wissens fällt es schwer zu glauben, dass jemand leidet, während sie lacht ... Gekitzelt zu werden kann Traumata auslösen, die sich über die Haut bewegen... kitzelig-Sein kann jedoch auch eine notwendige Verletzlichkeit darstellen, die Kontakt zur Welt ermöglicht.

„Bist du kitzelig?“

Performer*innen: Ashkan Sepahvand, Max Göran, Vika Kirchenbauer.

Foto: © Vika Kirchenbauer

(Pressetext / press release)