Gabi Blum – 50 Frames of T

Gabi Blum als Muse von Edward Hopper, als Jeanne Dielman oder als Random Frau des Kosmos: Die Künstlerin und ihrer Fetische, sich selbst zu inszenieren, gehören zu den Wiedererkennungsmerkmalen ihrer Praxis. Auf einem virtuellen Spielfeld präsentiert sich die Künstlerin noch einmal als willkürliche Figur, welche langsam transformiert, von einer beunruhigenden Erscheinung in einem sich ironisierenden, sich entfaltenden Frauenklischee.

Die fragmentarische Kulisse und ihre temporäre Einsamkeit – nur in Begleitung einer riesigen Tigerpython – erlauben dem Betrachter nicht all zu weit von den Kunstarkaden – der städtischen Galerie in der die Arbeit zum ersten Mal präsentiert wird – zur Neuen Pinakothek oder zur Villa Stuck zu wandern, um Gabi Blums Selbstporträt mit Franz von Stucks Gemälde ‚Die Sünde’ zu verbinden. Doch das Selbstporträt entblößt, was die porzellanfarbige Haut dieser Muse der Münchner Moderne in sich verbirgt; die Unmöglichkeit, Universalität in einem Körper zu symbolisieren. Man kann dementsprechend von einer subtilen, fast ungewollten Dekonstruktion des weiblichen Akts sprechen. Gabi Blum spricht somit die androgyne Arena des Internets als Kulisse an; der Hintergrund ist letztendlich keine Epiphanie des Weltalls, sondern ein von Blum übertragenes (copy/ paste) Bild der NASA. Es ist das großte Bild je gemacht, ein mögliches Bild des Weltalls.

Die Atmosphäre dieses magischen Labors deutet zugleich die Wahrnehmungshorizonte des fin-de-siècle; Aby Warburgs Pathosformel, Helmholtz Forschung der Sinnesorgane oder Eadweard Muybridges Entwicklungen des Verständnisses von Fotografie und Fototechnik. 50 Frames of T evoziert hier wieder die Zeit einer Modernisierung, die heute für gescheitert deklariert werden darf. Dieser historische Kommentar, welchen Blum innerhalb ihres Porträts formuliert, lässt die Arbeit als Beispiel anspruchsvoller zeitgenössischer Kunstpraxis verständlich werden.

Ritual und Computertechnologie: durch die Selbstinszenierung von Blum in anderen weiblichen Figuren beschreibt sie den Prozess der Anpassung und Aneignung gesellschaftlicher sozialer Formen, welche über und durch den menschlichen Körper geschehen. Die Verbindung zu dem kulturellen Münchner Kontext lässt sich erahnen, ohne Blums Anspruch zur Internationalität zu verblenden.

About the artist

Gabi Blum, (1979, Michelstadt), ist eine Tausendsassa und als DJ (Carciofi Frivoli) und mit der Damenkapelle als Frau Jablonski aktiv: Eine Meisterin des Body-Doubling. Ihre Arbeit dreht sich um Appropiation, Identität und Kulturelle Bedingungen der Entstehung von menschlichen Figuren. Ihre Arbeit ist in dem Sinne eine Quelle großer Referentialität.