Björn Wallbaum – CUMBACK

Das besondere Objekt: präzise und doch fragmentarisch, ist die Arbeit von Björn Wallbaum voller subtiler Widerstände. Auch wenn die Edition, die der Künstler für Reflektor M produziert hat, unmittelbar eine Frage der Erotik eröffnet, möchten wir erst über andere, genau so relevante Aspekte aufmerksam machen; nämlich das politische Plädoyer, welches das weiße Teil in sich trägt.

Wallbaum stellt auf einem Pullover eine Kritik an der allgegenwärtigen globalen patriarchalen Gesellschaftsstruktur und der phalluszentrischen Angst der Kastration dar. Wallbaums Recherche findet ihre visuelle Argumentation in der Glyptothek in München, in der langweiligen Frage nach der Schwanzgröße, die Männer hinter der Kamera versteckt via ChatRoulette etc. der Welt vorführen. Die Reduzierung des Körpers auf seiner Geschlechtsorgane ist keine neue Aktion.

Selbst die Surrealisten zelebrierten den Reiz, Jackson Pollock’s Dripping Malerei spricht nun für Männlichkeitsideale der Kunst, die Wiener Aktionisten reproduzierten die Apotheose von Gewalt mit performativen Arbeiten, Paul McCarthy steckte sein Glied in weiße Farbe und ließ es tropfen, und Wolfgang Tillmans fotografierte seine Liebhaber im Schwellenspiel zwischen Sichtbarem und Unsichtbaren. Varoufakis zeigte sein Mittelfinger als Widerstand zur Beteiligung von Griechenland in der Eurokrise, welchen er nach einem Presseskandal zurück in seine Hose stecken musste.

Dass so ein winziges Teil des männlichen Körpers (unterschwellig) als das wichtigste angesehen wird, was einen „zum Mann“ macht, möchte Wallbaum hinterfragen. Als Bild bildet ein Penis auf dem Pullover die interpretatorische Freiheit, sich damit auseinander zu setzen, auch wenn es in der Regel schamhaft ist, sich damit in der öffentlichkeit zu beschäftigen.

CUMBACK ist dementsprechend rein poetisch gemeint, als Ruf seines Trägers zurück zum Körper, der Kastrierten antiken Statuen in der Zeit der katholischen Prüderie, als sexuelle Anspielung zum „Silberrücken“ und natürlich als schnoddriger Kommentar von Björn Wallbaum zu seinem Comeback in München und ihrer Kunstszene.

About the artist

Björn Wallbaum, (*1978, Freiburg), studierte an der Akademie der Bildenden Künste in München, wohnte ein paar Jahren in Berlin und ist nach München zurückgekehrt, nachdem Isabel Kieser und Michi Kern ihm angeboten haben, Lost Weekend zu gestalten und mitzubetreiben.Seine Arbeit pendelt zwischen konzeptuellen Überlegungen zur Kunst und der kritischen Haltung zu soziopolitischen Issues, wie Gender, Migration, Demokratie und sozialer Gerechtigkeit.