Atemzug, Puls- und Herzschlag – Diplomausstellung 2017 // Interview mit Anne Pfeifer

Der historische Saal der Akademie der bildenden Künste war immer schwer zu besetzen; die Entscheidung war stets, entweder etwas etwas Überdimensionales zu gestalten, oder komplett auf den Raum zu verzichten. Egal, wie polarisierend diese Entscheidung sein mag, dies ist die einzige Wahl. Dennoch scheint eine Arbeit sich perfekt dazwischen einzubetten. Eine diskrete Installation, die sogar bei dem Tumult einer Preisverleihung unauffällig wirkt.

Die schwebende Pyramide aus Acrylboxen behält für sich vor, nicht nur das Unbehagen von überraschenden Pulsschlägen zu zeigen, sondern auch eine ganze Maschinerie mitsamt orchestralem Charakter. Diese musikalische Installation ist das glatte Endprodukt jahrelangen Experimentierens mit Ton und akustischen Möglichkeiten diverser Materialien.

RM: Was genau brachte dich zu dieser Beschäftigung?

AP: Beim Musikhören habe ich mir pulsierende Formen vorgestellt, die für mich das Gefühl der Musik ausdrücken. Dann wollte ich herausfinden, ob ich diese Formen auch in die Realität bringen kann. Die erste Arbeit war „Ceremony“, benannt nach einem Song von Joy Division. Sie besteht aus neun Holzquadern, die an der Wand hängen und aus deren Inneren es klopft und hämmert.

Zuerst entstand die Idee, die Kisten im gleichen Rhythmus des Songs beben zu lassen, doch bei der Weiterentwicklung wurde mir klar, dass die Installation ihren ganz eigenen Rhythmus benötigt. Mich hat es sehr gereizt, die Quader miteinander sprechen zu lassen – sie in Einklang zu bringen und dann wieder in entgegengesetzte Richtungen laufen zu lassen.

Für mich sind die Quader zu lebendigen Objekten geworden mit Atemzug, Puls- und Herzschlag. Seitdem experimentiere ich bei meinen Soundarbeiten mit verschiedenen Materialien und Formen, versuche allem, was zunächst starr und schwer wirkt, eine Leichtigkeit und Lebendigkeit zu verleihen.

RM: Es geht nicht nur um die Mühe, welche solche Installationen ermöglicht, sondern es entstehen auch hohe Kosten. Was ist der wichtigere Prozess hier, Tontechnik oder Kunstproduktion?

AP: Beides ist für mich sehr wichtig. In meiner Arbeit gibt es für mich drei Phasen. In der ersten entwickle ich ein ausführliches Konzept, bis ich die gewünschte Form meiner neuen Arbeit vor Augen habe. Danach geht es in die zweite Phase, in der ich mich um die Umsetzung kümmere. Wenn alles gebaut ist und technisch funktioniert kann die dritte Phase beginnen. Das ist eine ganz besondere Zeit, in der ich ein Stück (oder auch mehrere) für die Arbeit komponieren kann. Alle drei Phasen sind gleich wichtig, da sie aufeinander aufbauen.

RM: Siehst du dann die Arbeit in größeren Dimensionen? Oder anders gefragt, wie entfaltete sich die Idee dieser Arbeit bisher und was steht als nächster Schritt an?

AP: Bei jeder meiner Arbeiten stelle ich mir die Frage, wie sie sich noch weiterentwickeln kann. Ich denke, dass ich gerade mit dem Potential von mehreren miteinander kommunizierenden Objekten noch lange nicht am Ende bin und deshalb ist eine größere Dimension gut möglich. Ich habe auch noch viele ganz andere Formen und Materialien im Kopf mit denen ich in nächster Zeit experimentieren möchte.