Daniel Milnes: Was macht Deutschland heute für die Kunst eigentlich so anders, so attraktiv? – nicht lektoriert

1 Standort Deutschland für die Kunst. Was fällt Ihnen / Dir spontan hierzu ein? Wo sind Stärken, wo Schwächen? Gibt es etwas Spezifisches?

Deutschland hat als Kulturort den großen Vorteil, dass die bedeutenden Institutionen dezentralisiert sind. Natürlich wird Berlin von Außenstehenden immer noch als die wichtigste Stadt für Kunst wahrgenommen, doch auch in Hamburg, dem Rheinland, dem Ruhrgebiet, Frankfurt, Stuttgart/Karlsruhe, München und in vielen anderen Städten hat man exzellente Künstler, führende Institutionen und reiche Sammlungen. Deutschlands geografische Nähe zu weiteren starken Kunstzentren wie Basel, Paris, Brüssel und London macht das Land zur idealen Homebase für Künstler und Kuratoren.

2 Welche Faktoren sind für Sie/Dich bei der Entwicklung des Werks oder der Arbeit – auf mentaler und diskursiver Ebene – als auch in Hinblick auf die realen Produktionsbedingungen wichtig? Beispiele?

Wichtig für mich ist, dass meine Arbeit international ausgerichtet ist, aber trotzdem Resonanz an dem Ort findet, wo ich sie realisiere. Als Kurator muss man auf aktuelle und für das Publikum relevante Fragestellungen eingehen, egal ob man dies mit neuen Arbeiten oder mit historischen Gegenständen umsetzt. Die Aufgabe besteht dann darin, Wissen zu produzieren, das nicht nur im Ausstellungsformat greifbar ist, sondern auch in Form von Publikationen oder Online-Plattformen sichtbar wird und nachhaltig zugänglich bleibt.

3 Wie wichtig sind Ausbildungsorte, diskursive Plattformen, Räume und/oder Institutionen für den eigenen Werdegang? Beispiele?

Als Kurator am Museum bieten mir Institutionen im wahrsten Sinne Raum an: nicht nur für meine Ideen, sondern auch für die Ideen und Obejkte von den Kulturschaffenden, denen ich eine Plattform geben kann. Aber all die genannten Formate haben gemeinsam, dass sie den Austausch mit anderen Gedanken ermöglichen. Die Kunst verstehe ich als kollektiven Denkapparat, und meine Projekte fügen sich dann hoffentlich in dieses große Geflecht ein. Nur durch die Auseinandersetzung mit den Ideen und Werken von anderen kann man erkennen, womit man den kollektiven Denkapparat ergänzen kann.

4 Inwiefern haben sich die Produktionsbedingungen und -mechanismen in den letzten Jahren verändert und inwieweit hat dies Deine/Ihre Arbeit beeinflusst?

Als jemand, der noch nicht so lange dabei ist, Ausstellungen zu realisieren, kann ich die Frage schwer beantworten. Für die Zukunft wünsche ich mir aber noch mehr Möglichkeiten für Austausch auf internationaler Ebene, vor allem mit denjenigen Ländern, die nur schwer Eingang in den europäischen Diskurs finden. Hierbei spielt natürlich die Arbeit, die ich und meine Kollegen am Haus der Kunst machen, eine große Rolle, wie man in unserem Programm auch sehen kann.