Hello, Babies – Diplomausstellung 2017 - Interview mit Kitti & Joy(DE)

RM: Eure Arbeit als Künstlerinnenduo ist sehr vielseitig und beinhaltet so unterschiedliche Medien wie Video-Games, Digital-Druck auf Klamotten, Kleiderbügel, Werbesticker oder Poster. Ein Selbstporträt als Kunstbuch (herausgegeben mit Reflektor M) ist von euch erschienen und jetzt habt ihr auch noch Tücher hergestellt. Bilden diese Elemente ein geschlossenes Arbeitsformat für euch?

K&J: Als Kitti & Joy binden wir uns bewusst nicht an bestimmte Medien. Wir arbeiten meist mit direktem Bezug zu einem Raum oder Projekt. Für die Materialien entscheiden wir uns während der Arbeit mit dem Raum. Als Arbeitsformat würden wir das nicht bezeichnen. Das Arbeitsformat wäre eher eine grundsätzliche Materialoffenheit. Wir bestellen gerne Dinge im Internet, das gehört auch zu unserer künstlerischen Praxis. Aber nicht alle Arbeiten sind in Werbung, digitaler Unterhaltung oder industrieller Produktion zuhause. Wir haben auch schon mit selbstgebackenen Kuchen oder Gipsplastiken gearbeitet und die Keramiken in der Kantine sprechen auch eine andere Sprache als die oben genannten. Die industriell gefertigten Objekte unterscheiden sich inhaltlich und in der Art ihrer Distribution. Während das Buch als Print-on-Demand herauskam oder die Leggings in einer limitierten Auflage, fluten wir mit den Stickern seit knapp 3 Jahren unkontrolliert den öffentlichen Raum.

RM: Was also kann man von Euch zukünftig erwarten, welche neuen Formate interessieren Euch besonders?

K&J: Als nächstes machen wir performativ Urlaub auf der Couch und fahren vielleicht auch im Liegewagen nach Mittelerde.

RM: Ihr zeigt Euer Diplom in der Kantine, in welcher Eure Arbeiten sehr symbiotisch mit dem Raum und dessen Kontext zu verschmilzen scheinen; in der Kantine wird konsumiert – und um Konsum geht in Euren Arbeiten ganz besonders häufig. Diese Bezugnhame wäre in den Atelier- oder Klassenräumen so sicher nicht möglich gewesen. Oder lag es eher an einem Mangel an Platz, dass Ihr ausgerechnet in der Kantine ausstellt?

K&J:Bei der Planung unseres Diploms wurde uns schnell klar, dass die Arbeit in einem konkreten Kontext für uns viel mehr Potential bietet als eine konventionelle Ausstellungssituation. Wir finden es super, mit der Kantine zu arbeiten – der Raum behält seine Funktion als Zentrum der Akademie und fusioniert mit unseren Arbeiten. Dadurch manipulieren Kitti & Joy sinnbildlich gesprochen das Herzstück der Akademie. Das finden wir im Zusammenhang mit der Arbeit, die ja auch das Ende und den Abschied von unserem Studium in München bedeutet, sehr schön.

RM: Sind diese Arbeiten hier mit einem feministischen Diskurs verbunden?

K&J: Klar, wir sind Feministinnen.

RM: Alright.