Profil: Alina Birkner – Diplom 2016 - AdBK

RM: Offensichtlich spielen drei Einheiten bei dir eine wesentliche Rolle: zunächst zu den ersten zwei „Farbverlauf“ und (relativ) „großformatige Arbeiten“. Welche(n) Wege hast Du zu deinem jetzigen Ausdruck nehmen müssen?

AB: Ich empfinde Farbverläufe und das sanfte Verschmelzen von Farbe ineinander als belebend und beruhigend zugleich. Es ist fast so, als könnte man die Farbe dadurch von der Materialität der Leinwand befreien – beim Betrachten beginnt sie leicht zu flirren, sich zu bewegen, entwickelt eine Art Eigenleben. Solche Phänomene interessieren mich. Je größer das Format, desto leichter ist das Eintauchen, Erleben solch einer Erfahrung.

RM: Die variierte Serie entscheidet deine Ausstellungen. Warum wiederholst du deinen Bildaufbau, was variierst du? Arbeitest du nun nach einem Schema?

AB: Ich arbeite viel seriell, das ist richtig. Ich habe das Gefühl, so ein weiteres Spektrum erforschen zu können. Es läuft immer weiter in die Unendlichkeit. Das finde ich sehr spannend. Es gibt aber auch Bildideen, die komplexer sind, durch die als Einzelarbeit schon genug gesagt ist – sie fühlen sich für mich zu dem Zeitpunkt als abgeschlossen an und bereiten mir keine Einschlafprobleme. Variationen finden sich in den Farbkombinationen und im Farbauftrag und hier besteht auch bei einem von mir vorgegebenen Bildaufbau noch viel Freiheit und Spielraum. Vielleicht fängt für mich die Freiheit auch hier erst an. Ob ich nun nach einem Schema arbeite kann ich gar nicht beantworten. Die Zukunft ist ja offen, und meine intensivere Auseinandersetzung mit der abstrakten Malerei ist noch sehr jung.

RM: Deine Arbeiten wirken klar und wie die Ruhe NACH dem Sturm: Gab es entscheidende Stolpersteine oder Wendepunkte in deiner künstlerischen Laufbahn?

AB: Sicherlich gibt es immer wieder Hindernisse, die es zu überwinden gilt. Als Künstler stellt man sich mit jedem Bild einem neuen Problem, für das man eine Lösung sucht. Entscheidend für mich war jedoch 2014 die Abkehr vom Gegenständlichen. Bis dahin hatte ich vor allem großformatige Portraits gemalt. Am Ende hatte mich das so viel Kraft gekostet, dass ich mich befreien musste. Seitdem widme ich mich ganz der Farbe und dem Licht.

RM: Gibt es weitere Ausdrucksarten, außer der Malerei, die du für dich als Künstlerin als wichtig empfindest? Fließen diese in deine Werke ein?

AB: Künstlerisch gesehen sicherlich Installationen, die mit der Verteilung von farbigem Licht im Raum zu tun haben. Auch wie sich die Natur ausdrückt, der Weltraum, die Phänomene des Himmels stellen eine wichtige Inspirationsquelle für mich dar.

RM: Es scheint, dass Du dich mit dem Inhalt allgemein hältst. Ausdrucksventil deiner inneren Welt oder Angebot an Erinnerungswelten der Betrachter?

AB: Ich versuche nur, die Ergebnisse über Phänomene, die ich bearbeite zu teilen, und es interessiert mich inwiefern die dadurch hervorgerufenen Empfindungen und Eindrücke mit meinen eigenen übereinstimmen. Ich nehme die Farbe als ein starkes körperliches Gefühl wahr, kann ihre Wirkung innerhalb meines Körpers auch lokalisieren. Vielleicht versucht sich etwas durch mich hindurch auszudrücken, aber ich glaube nicht dass es meine eigene innere Welt ist. Erinnerungswelten als solche können möglicherweise angesprochen werden, mir geht es aber primär um die bewusste Wahrnehmung der Farb- und Lichtwirkungen im Hier und Jetzt.

RM: Du bist in München geboren, hast deinen Abschluss in München gemacht und wurdest kürzlich in der Centrecourt Gallery mit einer Einzelausstellung gezeigt. So schlecht kann München in Puncto zeitgenössischer Kunst gar nicht sein – oder?

AB: Nein und schlecht finde ich sowieso ein schwieriges Wort in dem Zusammenhang. Hier passiert gerade viel, gerade was jüngere Positionen angeht. Das stimmt mich schon optimistisch.

RM: new.age.shit heißt deine Instagram-Seite mit einer recht beachtlichen Reichweite von 7.468 Abonnenten. Warum der Name? Und empfindest du Soziale Netzwerke, wie hier das Bildbasierte, als zusätzlichen, entscheidenden oder amüsanten Katalysator von Aline Maria Birkner als Künstlerin?

AB: Die Seite habe ich vor etwa zwei Jahren erstellt. Zu dem Zeitpunkt war ich mir über vieles in meinem Leben unklar. Ich hatte in Instagram ein Werkzeug gefunden, meine Arbeiten ohne viel Aufwand einer breiteren Öffentlichkeit zu zeigen. Und obwohl man Soziale Netzwerke nicht zu ernst nehmen muss, konnte ich doch einige Kontakte knüpfen und auch erste Verkäufe darüber tätigen. Der Name für die Seite entsprang einer Laune, die ich nicht verständlich genug rekonstruieren kann. Darum lasse ich es lieber.

RM: Wie hast Du deine Diplomausstellung empfunden?

AB: Gemischt. Auf der einen Seite war es ein wunderbares Gefühl, die Reaktionen der Menschen zu beobachten. Vor allem die von Kindern und jüngeren Menschen. Sie sind noch unbefangener und offener. Auch ich selbst konnte die Bilder und den entstandenen Raum intensiv auf mich wirken lassen, was sicherlich wichtig war. Trotzdem erfordert es auch einiges an Kraft, fünf Tage lang neben seinen Bildern zu sitzen, seine Arbeiten zu präsentieren und möglicherweise auch aggressivere Fragen zu beantworten.

Danke an Christiane Breul und Alina Birkner für das Interview!