Maximen und Petitessen – Lektüre aus 30 Facebook-Posts von Franz Wanner

  • 02.06.2017

Franz Wanners Facebook Feeds des letzten Monats verwandelten sich für mich in Aphorismen, die die Ausstellung ‚After the Fact‘ im Lenbachhaus München, an welcher der Künstler ebenfalls partizipiert, gut begleiten. Vielleicht liegt das an der fragmentarischen Natur von Wanners Kommentaren, die – ohne Anfang und Ende – an die tägliche Presseschau des Deutschlandfunks erinnern. Jeden Morgen um fünf nach sieben werden die Kommentare unterschiedlicher Journalisten ausgewählt und über die Welt und ihre Themen berichtet. In ähnlicher Taktung veröffentlicht Wanner Kommentare zu diversen aktuellen Debatten – er bespricht und kommentiert den Klimawandel, „neue“ Beziehungsmodelle oder die vergangenen französischen Wahltage.

Das sichtbar Mondäne der Facebook-Posts ist nur scheinbar randomisiert. Das übliche Setting der globalen Spionage, verkörpert durch eben jene Symbiose aus sozialem Netzwerk und Nachrichtenkanal,, wird von Wanner als ein paralleles Journal genutzt. Während des Lesens stellt man sich seinen knackigen Bad Tölzer Akzent vor. Es sind Posts, die teilweise nur ein paar Stunden von einander entfernt sind. Also ob er nur online wäre. Ach Moment, sind wir das nicht alle?

Die revisionistische Erzählungen Franz Wanners empfiehlt das Lenbachhaus besonders an politisch Aktive und Interessierte und lädt – im Rahmen von ‚After the Fact – Propaganda im 21. Jahrhundert’ zu einer gemeinsamen Ortsanalyse mit dem Künstler am Innovationscampus und ehemaligen NS-Arbeitslager in Ottobrunn ein. Das partizipative Ereignis findet zwar am Pfingstsonntag statt, aber die Ausstellung erfordert ja auch ein ungewöhnliches Engagement von den Besuchenden. Es ist ein anderes Format als die vielen besucherfreundlichen Projekte, wie etwa die Neu-Präsentationen der Sammlung, Favoritenpräsentationen oder Retrospektiven in Kooperation mit anderen Institutionen, wie die Murnau-Ausstellung oder die zu Thomas Bayrle, die das Haus in der letzten Zeit initiierte und zeigte.

In seiner Arbeit beschäftigt sich Franz Wanner mit Strukturen ideologisierter Verschleierungstechniken und verankert dieses universellen Phänomen oftmals in Beispielen unserer unmittelbaren Umgebung. In „After the Fact“ nehmen seine Strategien gleichsam eine paradigmatische Rolle ein;. Die Ausstellung zerstückelt den Propagandabegriff und seine porösen Grenzen zwischen Realität und Fiktion.

In seinem Workshop am 04. Juni 2017 wird er die Themen seiner künstlerischen Arbeit zur Diskussion stellen und die Frage vertiefen, wie existierende und zirkulierende Informationen genutzt werden können, um Zusammenhänge selbst nachzuvollziehen anstatt ideologische Selbstdarstellungen für bare Münze zu nehmen. 

Um die Mitnahme von eigenen Kameras – auch Handykameras – wird gebeten. Lustig, denn Wanner selbst besitzt kein Mobiltelefon. Er ist zwar ein fleißiger Facebook-Nutzer, in jedem Fall aber ein ungewöhnlicher.

Maria Inés Plaza Lazo. Der Text wurde von Franziska Linhardt lektoriert


1 7. Mai um 12:33

Habe den Mut zur Ungerechtigkeit! Nein, es geht nicht darum, andere Niederzumachen oder einen fetten Wanst zum Nachteil anderer zu pflegen. Das Gegenteil gilt. Ein Plädoyer für Achtsamkeit, Selbstwert und Lebensfreude. Tu, was du für richtig hältst. Mut ist der Treibstoff eine Entscheidung für Etwas auch umzusetzen. 
Sei achtsam, freundlich und hilfsbereit, vergiss aber nie, du musst auch den eigenes Leben gestalten. Der Moment bestimmt die Priorität, haftet aber nichtfür Folgen. Das tust du selbst, wenn der Moment vorbei ist.
Sei ehrlich zu dir selber und gerecht, auch wenn die besten Kumpels das als ungerecht empfinden.
Verpflichte dich nicht einem "gut gewollt", wenn es schlecht gemacht ist, sonst hat das Gute keine Chance. Absicht und calvinistischer Fleiss sind löblich, aber keine Eigenschaft des Resultats.
Feiere, wenn dir so ist und richtig und nicht nach festem Plan. Dagegen arbeite auch, wenn es Zeit ist und tu nicht nur als ob.
Sei neugierig und sei spontan und achtenicht immer auf fremde Befindlichkeiten. Witze sind verpufft und Ideen vertrocknet, wenn die Klaviatur der Regeln und Verordnungen erst gecheckt werden muß.
Sag Scheisse, wenn es dir stinkt. Das muss auch nicht begründet werden. Erst eine Nachfrage zwingt zur Anwort, das ist Ehrensache.
Eine Nachfrage kommt aber fast nie, oft nur die Aufforderung zur Entschuldigung. die gehen leer aus, denn du hast nichts zu verschenken.

2 8. Mai um 12:41

Kultiviere deine Wut!
Wer auf der Nadelspitze balanciert, hat ringsumher nur Abgrund. 
Enttäuschte Erwartungen, endlose Pannenserien, angeknackstes Selbstbild, Hemmnisse, Fehlplanungen, Missbrauch oder Desorientierung können zu seltsamen Stimmungen führen.
Wenn aus Zweifeln Verzweiflung wird sowieso.
Die Gefühlsverstopfung kann zur Wut und explosiv werden. Tolle Sache eben. 
Muss man mit umgehen können. Ist machbar.
1. Willkommen heißen und nicht verleugnen.
2. Als (unvermutete) Chance begreifen!
Natürlich hat die Extase der Liebe mehr Wohlgefallen, aber dafür hat die Wut entschieden mehr an Kraft und Energie. Wär doch schade drum, sollte man nicht unterdrücken.
Nichts geht verloren, solange die Reset-Taste noch greifbar und die Verbindung zum Hirn noch vorhanden. Setzt wechselseitige Akzeptanz voraus. Akzeptanz ist ja nicht Gleichmacherei.
Also das Emotionengewitter muss schon sein, reinigt die Gesamtverfassung.
Daraus eine Kultur zu machen, ist ein folgerichtiger Schritt. Gutes sollte man kultivieren. 
Kultivieren, Pflegen und Teilen.
Wie beim Auto eben, die sind auch nicht alle elektrisch.
Kultiviert heißt ja nicht wild und urwüchsig, sondern meint gerichtet entwickelt, zu Nutzen gebändigt, im Gebrauch bereichert.
Wut in sachliche Höchstform zu bringen, gelingt nur mit viel Übung. 
Also muss jede Gelegenheit genutzt werden!
Kultiviere deine Wut.

3
8. Mai um 12:41

Liebe ist Leiden

Aber geteiltes Leiden ist eben nur halbes leiden und deshalb bleibt da auch Raum für Freuden. Geteilte Freuden aber sind doppelte Freuden. Das ist kein banaler Quark. Man kann es auch umdrehen und dann offenbart sich das. So ganz ohne Leiden bestünde Glück aus immer fortfolgendem Alltag und der sinnverwirrende Moment von Glück wäre nur noch sinnerschöpfend.
Liebe geben und Liebe nehmen sind so unterschiedliche Angelegenheiten, dass sie nichts gemein haben. Geliebt zu werden, wäre weder ein persönliches Verdienst, noch führte dies zu einer Verpflichtung. Wie denn auch? Es gilt ja nicht, sich den Wünschen des Liebenden anzumodeln, könnte man auch nicht, will man der bleiben, der geliebt wird. Machte man diese Änderung durch, bliebe die Frage, wem vormals die Liebe galt? Oder ob die Begehrlichkeit überhaupt Liebe war.
Insofern ist Geliebt-zu-werden höchst beunruhigend.
Wahre Liebe ist bedingungslos, entgeltungsfrei und ohne jeden Zukunftsanspruch. Weshalb sie immer neu und erneut und aktiv am Leben erhalten werden muss. Entweder man liebt oder eben nicht. Jetzt und in ewiger Verlaufsform. Liebe ist die schluchzende Sehnsucht nach Erfüllung für die man gibt und nicht nehmen kann. Liebe ist keine Investition, die irgend einen Ertrag verspricht, sondern ein Reichtum, den man wegschenkt. Und je mehr man schenken darf, je größer ist die eigene Glückserfüllung.
Und an dem Dürfen bindet sich das Leiden. Man kann sich nicht sicher sein. Dürfen ist nicht Können und Können längst kein Dürfen.
Auch die Liebe auf Gegenseitigkeit lässt sich nicht aufrechnen.

4 9. Mai um 09:42

Wo der Fleiß regiert, ist die Freude im Knast

Wer vor der großen Abenteuerreise immer erst alles erledigt wissen will, dem ist danach der Zug schon abgefahren. Fleiß hat eben seinen Preis. Fleiß arbeitet das Zusatzpensum ab und lässt sich auch nicht von Verbesserungsvorschlägen ablenken. Fleiß ist mit Hohlmaß und Zollstock messbar.
Fleiß ist eben immer viel, Qualität was anderes. Fleiß vermag neu von anders nicht zu unterscheiden, und also brüstet sich Fleiß mit Mühe und Aufwand. Die Frage nach dem Ergebnis weicht der Fleiß aus. Besser ging es nicht, sagt er und meint nur mehr. Weniger wäre vielleicht besser gewesen.
Ohne Fleiß geht es aber auch nicht, denn dann kommt man nie zum Ende. Will man das?
Man sollte den Fleiß nur als das wertschätzen, was er wirklich ist, als Erfüllungsgehilfen. Mit etwas Können könnte er es zum Gesellen schaffen. Mancher dann Meister. Da ist es aber wieder schwierig. Hat dieser Meister mit Fleiß alle Prüfungen bestanden oder ist er Meister, weil eine Blüte seiner Kunst ist?
Qualität passt in keine Tabelle und Innovationen entziehen sich dem Vergleich.

5 10. Mai um 09:17

Partnerschaft ist keine Zwangsgemeinschaft Wer nicht mit Hoffnungen an den Start geht, sondern mit Versprechungen, macht sich nachhaltig das Leben schwer.
Die Freiheit der Entwicklung wird durch die Pflicht zur Erfüllung eingeschrängt. Was soll schon das Extra, wenn die Grundlage ungewiss ist? Aber entscheidend ist etwas anderes:
Hoffnungen hat man immer gemeinsam, sogar allein, dagegen müssen Versprechen immer allein von einem selbst erfüllt werden, auch wenn sie gemeinsam gegeben wurden.

6 10. Mai um 18:04

Gott ist groß

Kann man sagen. Passt als Tatbestand immer. Muss man nur richtig einordnen.
Etwa so, wie eine ewige Rekordliste. War seinerzeit eine gigantische Leistung und vielleicht ist der Rekord immer noch nicht geknackt, aber ist lange her und heute könnte der Rekordinhaber solche Leistung schon aus Altersgründen nicht mehr abrufen. Selbst wenn der Rekord schon längst geknackt sein sollte (wer weiß denn schon, was in den Laboren und Arenen dieser Welt so passiert?), die Leistung damals bleibt klangvoll, bewundernswert und eben großartig.
Längst verblichen und hinweg, werden die großen Geister ihrer Zeit immer mit Respekt bedacht.

7 11. Mai um 12:12

Das Leben geht vor

Die Karte stimmt, die Gegend ist falsch. Alles läuft schief. Selbst das Chaos ist nicht perfekt. Enttäuschung und Wut flanieren über die Sonnenallee. Wer in der Scheiße sitzt, dem stinkt einfach alles. Zumindest dies ist normal. 
Schon mal ein sicherer Grund. Man darf sich nicht desorientieren lassen. Der Klang des Geldes ist kein Zahlungsmittel.
Dass gilt natürlich auch für Datenschätze. Man mag die überlassen und frei geben, bezahlt wurde damit nichts. Bezahlt wird der Gebrauch von aufbereiteten Daten. Und immer will solch Bezahler dann eine Erstattung haben, immer. Staat und Anhang nehmen Steuern und Gebühren, Leistungsanbieter erhöhen die Produktpreise.
Damit also möglichst viele den Braten riechen können, muss der Esser dann später zusätzlich bezahlen.
Gilt für Veganer aber auch.

8 15. Mai um 09:16

Ohne Stellschraube keine Verantwortung

Wer unter keinen Umständen auch nur irgendwie Einfluss nehmen kann, kann unmöglich verantwortlich gemacht werden. Klingt erst einmal entlastend. Ist aber belastend.
Erst einmal, Verantwortung hin oder her, vom Schlamassel bekommt jeder einen Anteil aufgebürdet und wer keinen Einfluss hat, meist sogar einen schwereren. (Bei Erfolgen natürlich nur den Part des Beifallgebers.) In einem entwickelten Verständnis, das strikt zwischen Verantwortung und Schuld trennt, spielt das ohnehin keine Rolle. Ein Verschulden kann auch bei achtsamster Verantwortung nie ausgeschlossen werden. Mit bestem Bemühen…
Was aber, wenn jemand die Verantwortung versagt wird, der durchaus hätte Einfluss nehmen können? Oder wenn jemand absichtsvoll jeden Einfluss unterlässt, damit er auf jeden Fall von Verantwortung frei ist? Und wie ist das mit jenem, der nur seinen Einfluss nicht erkennt?
Völlig egal alles. Nach dem Motto „Wissen ist Macht“ können alle Fragen ganz entschieden beantwortet werden. Die Kenntnis gibt die Macht, auch Einfluss zu nehmen und Einfluss wird in zwei Methoden genommen: Durch Tun und durch Unterlassen.
Deren Bewirken bringt immer Verantwortung (Bewusstsein) und immer auch Schuld (Handeln).

9 19. Mai um 11:04

Sammle Unterstützung für ein herzerwärmendes Thema. Auf den Wogen der Sympathie kannst du dann machen, was du willst. Kontrolliert niemand. Aber Vorsicht: Höre rechtzeitig auf und rede nie wieder darüber. 
Dann bleibt auf ewig das Erinnern an die Sympathiewallungen positiv mit deinem Namen verbunden.

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19. Mai um 12:43

Das Gelaber über Nachhaltigkeit, Achtsamkeit etc. ist nicht nur Hype, auch wenn es durchaus hysterische Schwankungen gibt, sondern selbst bei trockensten Ärmelschonern oder extremsten Spaßraketen ist es gleichermaßen zur Plakatgrundierung jeder Äußerung geworden. 
Vor 30 Jahren wäre selbst ein Fundamentalist in Sachen Natur und Schöpfung nicht auf diese Idee gekommen.
Was war wohl der Initialfunke?

Ich denke mir, als auch die schlichten Gemüter begriffen hatten, was der Anspruch auf diese 10 Minuten persönlichen Ruhm denn meint, da ging es richtig los.

Seither wird achtsam und nachhaltig darauf hingewirkt. Wenn man schon nicht zur neuen Schwemme von Superstars gehört, muss es eben das beste Imitat bringen und im exklusiveren Klub dann eine bodenständige Gewöhnlichkeit. Ganz und gar geht es nun um den nachhaltigen Augenblick. Und immer wieder neu. Die Kontinuität im Streben nach solchem besonderen Moment gibt Dauer oder Zeitlosigkeit keinen Platz mehr. Bei längerer Gesundheit und Lebensdauer bleibt einfach keine Zeit für ein Sinnen um Zufriedenheit, Glück, Erfüllung, für Erinnern oder Ideale, für eine Vergewisserung im Sein, für Näherungen und Zwischenbilanzen. Alles ist absolut geworden. Selbstverständlich vorläufig und steigerungsfähig. Jetzt. Morgen könnte ja zu spät sein.

11 19 Mai um 17:36

Je größer die Versprechungen,desto entbehrlicher ein Plan. Glaube und Vertrauen brauchen weder Machbarkeitsstudien noch endlose Erläuterungen. Erfolge sprechen schließlich für sich. Sogar stringente Zusammenhänge sind als Garanten nur nervtötende Verkomplizierungen und hemmen den Rausch der Begeisterung. Ein Versprechen ist wie ein Geschenk und kein Handel. Ein "wenn..." vor dem "dann" wird immer reduziert von "dies und jenes gemacht wird..." auf "... ihr mir vertraut und machen lasst!" Und natürlich läßt man sich gern beschenken und lässt also den Geber auch. Nur Missgünstige wollen da kleinlich sein.
Und den Zweiflern wäre ein Plan ja nur willkommen. Nörgelei und Krümelkackerei, Nachfragen und Zweifel würden Zeit und Kraft binden, den Erfolg gefährden, angreifbar machen und jede Geschlossenheit untergraben.
Ein Plan ist so nicht nur entbehrlich, er ist gefährlich. Besser kein Plan. 
Mit Ressourcen sollte man lieber die Versprechungen verschönern und vergrößern. Je dichter der Takt von immer neuen Ankündigungen, je geringer die Chance für Nachfragen. Man muss nach vorn schauen. Ist doch logisch, dass das kleinere Versprechen von gestern sich in der so viel größeren Versprechung von heute längst erledigt hat.
Dabei kann dann leicht jene Konstante vergessen werden, die da heißt: Erfüllung kommt immer erst morgen!
Lapidar:
Wer sich an der Verheißung berauscht, bekommt einen billigen Kater. Das Leben muss weiter gehen. So war das Versprechen längst nicht gesprochen und sicher auch nicht gemeint. wenn doch war es eben ein Versprecher. Kann vorkommen.

12 19. Mai um 21:44

Entscheide selbst!

Es gibt Situationen, da hat man keine echte Wahl. Nicht wirklich.
Ja oder Nein, entweder oder oder. Oder nur Verweigerung, mit dem Rücken zur Wand. Ehre, Gewissen, Trotz und Selbstmitleid winden sich an der Höllenglut und tanzen Ringelrein. Man selber sieht keinen echten Ausweg. 
Wo vohanden, könnte jetzt die Vernunft vorstellig werden und tausend Argumente bereitstellen. À la, Zwang kann beugen, verpflichte aber nicht.. usw. Ist eben Vernunft.
Die einzig verbliebene Alternative wird da oft übersehen, weil die weder was mit Vernunft, nichts mit Verstand und gar nichts mit Gefühlen zu tun hat.
Es ist deren höhere Einheit, die mit Bestimmtheit verlangt:
Entscheide selbst!
Die Vorteile sind unbestreitbar zwingend: Eigene Entscheidungen kann man revidieren fremde Entscheidungen nicht.

13 21. Mai um 21:14

In allen möglichen Zeitungen gibt es die Rubrik, in der ein Thema, ein Slogan, eine Behauptung oder sonst eine Ansicht vorgestellt wird. Und dann gibt es pro und contra.

Finde ich spannend.

Da meist als Thema die gerade durchs Dorf getriebene Sau gewählt wird, wird natürlich allgemein Neugier geweckt.

In der "Zeit" gerade der schillernde Begriff des "Gutmenschen"

Das macht es noch interessanter. Egal, welche Position man liest, klein Erna findet sich verstanden und richtig beschrieben. auf der anderen Position natürlich auch. Wie kann das denn sein?
Simpel: Aus unterschiedlichen Bezugpunkten zielen die Autoren auf dasselbe und reden aneinander vorbei. Pro und Kontra sind ohne Gegensätze und schließen sich nicht nur nicht aus, sie ergänzen sich. Mag interessant sein, aber spannend ist ganz etwas anderes: Haben da zwei Nasen wirklich solch unbedarfte Meinung oder besetzen sie die theatralischen Rollen der Anwälte des Teufels? Beides wäre das Niveau einer Klippschule. Sehen also die Medien ihre Leser und Interessenten als grundschüler, die wohlwollend erzogen und gebildet werden müssen? Gebildet durch die formenden Händer eines Töpfers? Zueinander reden ist eben nur einseitiges dozieren - man muss miteinander reden. Und dies nicht, um die Fehler anderer aufzudecken, sondern den eigenen auf die Spur zu kommen.

14 22.Mai um 07:11

Zyniker sind die besseren Optimisten Egal, ob eher unscheinbar oder verkniffen oder als Blubbler, samt und sonders teilen sich die Menschen in Optimisten und Pessimisten. Der Zyniker belächelt den Optimisten und trietzt den Pessimisten. Perfekt ist nicht gut und die Katastrophe schreckt nicht. Irgendwie geht es immer weiter. Nur eben anders.

Sozusagen als die interessantere Herausforderung. Aber bis dahin bleibt noch Zeit, in der Alltagsfron den Genuss zu suchen. Köstlich, neuerdings verkleidet man sich gern als Zyniker.

15 22. Mai um 11:58

Ich mag ja die Vegetarier. Bleibt eben mehr für mich. Ideal, wenn jeder seinen Anteil bekommt und zufrieden ist. Schlimm sind lediglich jene, die Überzeugungstäter sind. Die wollen ja nicht sich bei der Stange halten, sondern andere überzeugen. Am aller schlimmsten sind die Wortlosen, jene mit dem vorwurfsvollen Schweigen.
Angenehm sind die Klügeren, jene, die dem eigenen Genuss leben und dem illusionslosen Luxus frönen. Die wissen, dass die vegetarische Ökobilanz mit jedem zusätzlichen Teilnehmer noch verheerender wird.
Aber es gibt auch die Lustigen. Das wären dann die Zeigefinger-Veganer, die von naturgerechter Tierhaltung faseln. Als ob die Bauern ihre Hühner nur für deren "Gesang" und den Fuchs halten würden.
Und dann gibt es die besorgten Gemüter, von wegen Gesundheit usw. Die sitzen wahrscheinlich täglich und unbewegt auf ihrer Bürostange klappern mit den Ergänzungspillen und träumen von Wohlbefinden. Die meinen es nur gut. Auch mit den Tieren.
Dabei ist klar, als aus dem Luxusprodukt der Fleischtopf für alle geworden war, ging das Elend erst los. Der billige Preis wurde mit Masse und kurzen Wegen bezahlt. Seither ist die Bauernexistenz prekär und die Natur überdüngt. Der Konsumentenwettbewerb geht nicht mehr, sich einen Anteil überhaupt leisten zu können, sondern darum, nur das Beste als gut genug zu erachten und den Rest zu entsorgen. Gekröse will niemand.

16 24. Mai um 08:57

Wer stört, gilt als gestört

Wir alle sind hineingeboren in Regeln und Abläufe. Selbst der größten Elternfreude steht man immer auch als Permanentbelastung auf dem Fuß. Mit einigem Bewusstsein hat jeder die Aufgabe zu bewältigen, sich reibungsarm einzugliedern und gleichzeitig in dieser fremdbestimmten Strömung auch noch Ruhezonen zur Selbstfindung aufzutun.
Wer bin ich? Was kann ich? Was will ich? Und was bringt mir wohl Freude, Zufriedenheit und Erfüllung? Die Antworten sind nie einfach und unterliegen dem Verfall und Wandel. Und immer wird an den anderen orientiert, werden Nähe und Distanz gemessen, wird der Wert bestimmt, der aus der Gemeinsamkeit kommt. Dieser Anteil in der Gemeinsamkeit weicht selbstverständlich von jenem ab, den man mit bewusster Ausgrenzung nur für sich selber generiert. Der eine ist sich ohne die anderen einfach nichts und dem anderen ist eine Teilnahmeanforderung von anderen nur verschlingende Last. Der Mensch ist eben ein ICH unter allen anderen, genau wie die anderen. 
Man gibt, um zu bekommen: Anteil, Wert, Zufriedenheit, Mitgefühl, Sinn, Aufgaben und erkennt damit das Eigene im Gemeinsamen. Pflicht und Freiheit.

Das alles ist normal.

Wenn allerdings über das zugebilligte Sicheinfinden überschritten wird, wenn also aus der selbstbestimmten Privatheit eine Rückwirkung auf die überkommene Grundströmung erfolgt, dann ist dies nicht mehr einfach normal. Dann wird dies als Störung empfunden. Jene, die Richtung und Geschwindigkeit vorgaben, die Inhalt und Deutung beanspruchten, sind irritiert, fühlen sich gestört und sind also gestört. Etwas Neues beansprucht Aufmerksamkeit. Und jeder Anspruch kostet Kraft. Unlieb.

War etwa nicht alles gut? War es nicht in der eigenen Zufriedenheit sogar bestens? Wozu dann das? Also verdrehen die Gestörten den Blickwinkel und bezeichnen den Verursacher der Störung nicht etwas richtig als Störer, sondern sie diffamieren ihn als Gestörten, der die unbelastete Fortdauer der Vergangenheit, des Richtigen und Bewährten nur nicht zu erkennen vermag. Nicht etwa, weil er nicht will, sondern weil er nicht kann. Er ist dann nur Opfer eines Defekts und Unvermögens, er ist dann nicht aktiv als Störer, sondern er ist der Gestörte außerhalb der Ordnung und muss repariert und geheilt werden. Und also fragt sich der Störer, der als gestört gilt, wer denn wohl jene seien, die sich von ihm so gestört fühlen, aber nicht als gestört gelten, weil sie so rechtens funktionsfähig sind. Wer sind die, die ungestört bleiben wollen?

Alle Ungestörten halten aus Gesundheitsgründen Abstand. Ansteckungsgefahr!

17 24. Mai um 09:52

Manchmal ist man sich eben nicht klar, worum es eigentlich geht.

Intelligenz soll hier bestimmt nicht Geistesgröße bedeuten. Etwa Ovid zitieren oder ein optimierter Gartenbau.
Vermutlich meint hier intelligent nur, gefahrenfreier Gebrauch ist möglich, ohne dass der User zuvor ein Flugzeugcockpit programmieren muss. Sozusagen technische Empathie und Willigkeit.
Interessant ist jedoch, inwieweit nunmehr akzeptiert wird, dass eine empathische Wechselseitigkeit der Sexpartner nicht erwartet werden kann und deshalb Abhilfe her muss. Damit ist der alte Leitsatz obsolet: Wer Sex will, sollte nett sein. Der Freitag, Ausgabe 21/2017: Intelligente Sexroboter Auf 30 Milliarden US-Dollar wird der Wert der Sex-Tech-Industrie geschätzt, und deren nächstes großes Ding sind mit künstlicher Intelligenz ausgestattete Sexroboter aus dem 3D-Drucker. Wie real diese Entwicklung heute ist, lesen Sie in der Titelgeschichte dieser Woche. Das derzeit am heißesten gehandelte Modell mit dem Namen „Harmony“ hat Matt McMullen in Kalifornien entwickelt. Guardian-Reporterin Jenny Kleeman hat ihn getroffen und schreibt: „McMullen hat das entwickelt, was ein bestimmter Typ von Mann als die perfekte Gefährtin betrachten würde: fügsam und unterwürfig, gebaut wie ein Pornostar und allzeit sexuell verfügbar.“

18 24. Mai um 10:18

Habe ich im doppelten Sinn verpasst. Sowieso, dass es diesen Kult gibt und auch, wie man den wohl zelebriert. Sogar ein Buch darüber gibt es schon.
"Homo Deus.Eine Geschichte von Morgen"
Harari, Yuval Noah; C. H. Beck, ISBN 978-3-406-70401-7 Ich bin da etwas konservativ und will Mensch sein. Deshalb interessiert mich das DANACH nicht ganz so brennend, wie es die Höllenfeuer versprechen. "Wie wird es dem Homo Sapiens ergehen, wenn er einen technikverstärkten Homo Deus erschafft, der sich vom heutigen Menschen deutlicher unterscheidet als dieser vom Neandertaler? Was bleibt von uns und der modernen Religion des Humanismus, wenn wir Maschinen konstruieren, die alles besser können als wir? In unserer Gier nach Gesundheit, Glück und Macht könnten wir uns ganz allmählich so weit verändern, bis wir schließlich keine Menschen mehr sind.“

19 24. Mai um 14:30

Erfahrung kann man nicht lernen

Früher gab es die Wollmilchsau und den Uniabsolventen unter 25 mit langjähriger Berufserfahrung. Früher mal. Aber heute würden die auch nicht mehr willkommen sein.
Seit 50 Jahren ist die digitale Performance stets so neu, dass auf Erfahrung gepfiffen wird. Wer täglich sich neu erfindet, braucht auf keine Erfahrungen zurückzugreifen.
Der 200jährige Betrieb sucht zwar immer noch für das junge dynamische Team, aber die Zukunft gehört dem Startup. Deshalb kommt Know How nicht mehr als Erfahrung daher, sondern wird per Meeting, Powerpoint und Memo taufrisch generiert.
Klar, Erfahrung war, ist und bleibt die Wiederholungsdichte je Zeiteinheit. Deshalb kann man sie ja nicht mal im Intensivkurs lernen, reicht nie die Zeit für genügend Wiederholungen. Wer
gelernt hat, wie es richtig geht, braucht weder die vielen Varianten und Mutationen noch ist er geneigt, der unverhofften Abweichung irgendwie die Hand zu reichen. Fehlermeldung und standby. Alles andere wäre viel zu gefährlich. 
Am einzig richtigen Ablauf hat sich auch das Leben selbst zu orientieren. Wenn nicht, wird es abgeschafft. Erschafft man eben ein neues. Ist billiger und frei von Altlasten und ohne krude Erfahrungen.
 Warum das eine gute Sache ist, kann jeder an sich selber prüfen. Tolle Glücksmomente sind gute Erinnerungen im Leben und brauchen wenig Worte, Erfahrungen dagegen sind immer nur Widrigkeiten, Fehlschläge und eben tagtäglicher Kampf von geradezu epischen Ausmaßen. Hätte man gern verzichtet,oder?

20 26. Mai um 09:31

Der Durchschnitt ist unberechenbar

Was im Matheheft so einfach scheint, funktioniert im wirklichen Leben nicht.
Mit den 3 Euro täglich kam ich lange Zeit ganz gut zurecht. Aber ausgerechnet an dem Tag war ich schon klamm, an dem der Jahresbetrag fällig wurde. Andere sind in durchschnittlich flachen Pfützen einfach ertrunken.
Hätte man mit Vorbereitungen und Umsicht solchen Misshelligkeiten noch gefasst begegnen können, sind wir alle anderswo Opfer der Umstände. Kennt auch jeder. Der Mittelwert erwies sich als exakt getroffen, als im viel zu trockenen Monat am Vorletzten neu Flutmarken erreicht wurden.
Richtig schlimm aber wird es, wenn jemand saisonale Spitzenwerte in durchschnittliche Anforderungen umplant. Gute Bauern wissen, dass es im Januar wenig zu ernten gibt.

21 26. Mai um 13:12

Wirtschaftswoche 26.05.2017:

Wir sind auf eine Welt ohne Donald Trump weniger gut vorbereitet als auf eine Welt mit Trump...

O.K., sollte Trump aus dem Sessel fallen, gäbe es nicht etwa Neuwahlen, sondern den nachrückenden Vize. Darf man nicht vergessen. Aber dass diese fragende Feststellung überhaupt Raum findet, erstaunt dann doch. Zumal zusätzlich die Feststellung getroffen wird, selbst wenn der nachrückende Vize aus dem Unmut weltweit lernen sollte, die tiefe Zerrissenheit der amerikanischen Wähler bliebe unberührt. Du meine Güte aber auch, wir haben sicher keinen Einfluss auf inneramerikanische Entscheidungen und sollten den auch nicht haben wollen. Aber wegen des amerikanischen Leidens nun diesen Politproll auch ungeliebt stützen zu wollen, macht mich grübeln. Soll hier mit dem Gedankenspiel, dass der Beelzebub nicht besser als der Teufel wäre, vielleicht nur vernebelt werden, dass "WIR" in jedem Fall schlecht auf die Herausforderungen der Zeit vorbereitet sind? Das wäre zwar ehrlich, nützte aber nix. Wer die grundsätzlichen Herausforderungen nicht erkennt, würde auch bei besten Vorbereitungen auf dem falschen Fuß erwischt.

All die brennenden Themen, die immer, überall und im endlosen Paternoster gezeigt werden, sind es auch. Ohne Frage. Nur, wer Probleme löst, schafft sie nicht ab, sie bleiben latent wirksam.

Man sollte die Voraussetzungen angehen.

22 26. Mai um 16:05

Liebe Leserin, lieber Leser,

ob Schamanismus, Huna, Holopono, Ho'oponopono oder Hypnose: Unsere Autoren sind Experten für die verschiedensten Themen und beherrschen zahlreiche Techniken, die Sie unterstützen können, zu einem gesunden und erfüllten Leben zu finden. (Schirner Verlag)

Wer solche Post bekommt, ahnt, es geht ihm schlechter als selber gedacht. Aber es gibt Experten. Und überlegt sind sie zudem auch.

Die verhelfen mir nicht zu gesundem und erfüllten Leben. Muss ich alles selber tun. Bevor ich damit anfangen kann, muß ich aber noch diverses lernen, was mir helfen könnte. Konjunktiv. Ob mir für die eigentliche Aufgabe dann noch Zeit bleibt?

23 26. Mai um 16:38

Maximierung ist von kurzer Blüte

Sie endet im Maximum. Das ist weder etwa von unvorstellbarer Größe noch etwa das Optimum unter gegebenen Verhältnissen, die sich ohnehin beständig ändern. Oft ist das Maximum auch suboptimal und mit einhergehendem Verfall verbunden.
Wenn man zur boomenden Ertragskraft noch den Substanzwert nimmt… - also mehr Maximum geht einfach nicht. Wäre keinesfalls unendlich und zudem wenig nachhaltig.
Jedenfalls nicht, wenn man dieses Maximum auch realisiert.
Kluge Leute meiden also das Maximum und bemühen sich um optimale Ergebnisse und wissen dabei, das sind Erfolge, die morgen schon von gestern sind. Manchmal ist Bestehen und Überleben ohne Extras sogar mehr als nur Erfolg. Wenn es sich denn erfüllt.
Zufriedenheit ist die schwerste Aufgabe und der größtmögliche Erfolg.

24 26. Mai um 16:05

tja. Vexierbilder der Kommunikation. Scheinbar sind Distanzen überbrückt. Steht man nebeneinander im im schalldichten Glaskasten. So nah, so fern. Spricht man zueinander,nur mit sich selber. Schön wenn der Spiegel zurückwinkt. Nur wem? Oder allen? Tonloser Funk. Gewimmel statt Berührung.

25 29. Mai um 10:08

Diesmal über Bert Rürup

Natürlich kann ich der Überzeugungsmacht des Artikels nicht entgegnen, will ich auch nicht, aber schmunzeln kann ich. So konzentriert widmet sich Rürup der Argumentation wider den Vorwürfen gegen bezwingende Leistungskraft, dass der Zusammenhang verschwimmt.

Unstrittig: Der wichtigste Hebel zum Abbau des Leistungsbilanzüberschusses liegt daher nicht in den Händen der Regierung.

merkwürdig: Hätte der Fiskus beispielsweise jedem Einwohner zu Beginn der Adventszeit 300 Euro überwiesen, wäre der Überschuss faktisch verbraucht gewesen.

Humorig: Um wirklich den Leistungsbilanzüberschuss spürbar zu drücken, müssten in Deutschland die Löhne massiv steigen. Trotzdem solch Vorschlag sicher massenhafte Zustimmung finden würde, drängen sich mir da erst mal Fragen auf. Geschähe eine Lohnsteigerung ergebnisneutral, müssten sich die Produkte verteuern, die sich dann bestimmt nicht einfacher verkauften. Selbst im Inland nicht. Da ein Gewinn immer nur über realisierten Umsatz gemacht wird, könnte es ja sein, dass über den verringerten Umsatz auch ein Druck zu verringerter Produktionskapazität aufgebaut wird. Vielleicht würde da die identische Lohnsumme nur anders verteilt? Dem geringeren Export stände mangels Nachfrage nur ein noch geringerer Import gegenüber.

Genauso fraglich scheint mir der Zusammenhang zwischen Außenhandelsüberschuss und einem fiskalischen Geldregen für jedermann. Der Fiskus exportiert ja rein gar nicht und kann demnach den seinen auch nicht verringern. Auch die Frage, woher die verteilten Milliarden kommen sollen, stelle ich mal nicht, aber die Annahme amüsiert mich schon, dass jene Gelder von Tim und Helga nun ausgerechnet zur Beflügelung des Imports verwendet würden. Statt Küchenschürze mehr Dior?

Aber trotzdem interessant.

Wenn es denn tatsächlich einen reziproken Zusammenhang zwischen Exportüberschuss und Lohnhöhe gibt und der Fiskus einkommensneutral bleiben will (dem fehlt ja immer Geld!), könnte der Fiskus den Wirtschaftseinheiten ja die höheren Arbeitnehmereinkommen ja abkaufen. Weniger Kapitalsteuern verbindlich gegen Lohnplus. Was der Unternehmer an Steuern spart, muss in den Lohnfond. Bekäme der Fiskus sogar mehr, würde den Exportabsatz nicht belasten und dem Unternehmer wäre es neutral. Kleiner Nachteil, durch die Steuerprogression wären die Nettolohntüten auch schmaler. Wird wohl nix mit Versace und kalifornischen Mandeln. Naja, für die ist der Wassermangel verantwortlich…

HAUSHALTSPOLITIK Der deutsche Leistungsbilanzüberschuss: Die Mitschuld des Verteidigers Seit geraumer Zeit steht Deutschland wegen seiner sehr hohen Leistungsbilanzüberschüsse am Pranger. In einem Positionspapier setzen sich Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble mit den entsprechenden Vorwürfen von IWF, Weltbank und EU-Kommission auseinander. Die von den beiden Ministern vorgetragenen Argumente sind stimmig – aber unvollständig. http://researchinstitute.handelsblatt.com/i/oJ7NUoaNCS-Z1NX

von Bert Rürup

26 29. Mai um 14:02

Reife mag gut sein, fertig ist nicht besser Ich meine, vor 500 Computergenerationen kam der Atari in die Nutzerhand. Bis heute zeigt so mancher Fanclub, dass von diesem Methusalem auch ultramoderne IT-Probleme gelöst werden können. Das Ding scheint immer noch nicht ausgereift.
Der Schriftsteller Primo Levi hatte in den 60ern die Vermutung, dass es der Mensch fast nie bis zur Reife schafft und hatte die Metamorphosen des Schmetterlings vor Augen. In neuer Schönheit und beflügelt, wäre der Mensch im Reifestadium nicht engelsgleich, sondern selber einer. Aber wer will das schon?
Jedenfalls verweigere ich mich vorausschauend jeder Reife und bleibe lieber unfertig neugierig, auch wenn das am Markt Abzüge bringt. Als interessierter Beobachter von Natur und Gesellschaft bin ich mir unzweifelhaft sicher: Nach der Reife kommt Verfall und Fäulnis!

27 29. Mai um 16:29

Diesmals fast positiv.

Senior Vice President (design) Philipp Thesen hat "endgültige" Sätze gesprochen:
- Es gibt aber keine Produkte, die gut sind für alle.
- Identifiziere überhaupt erst einmal das Problem. Sonst entwickelst du eine Lösung für irgendwas - ohne das eigentliche Problem erkannt zu haben. Klar, die Bewertung als "endgültig" ist die meine und damit auch eine herausfordernde Retoure. Denn eingeschlossen wäre dann auch die Einsicht, dass es Lösungen gibt, die ohne jedes Problem auskommen und allein auf jenem Problem ruhen, dass Zufriedenheit ein Killer am Bedarf ist. Ist es nicht so, dass gerade heute viele Produkte und Dienstleistungen oft jene Probleme bewältigen helfen, die der Kunde zuvor nie hatte? Zweifelsfrei schaffen aber solch Lösungen ganz aus sich selber heraus noch funkelnage neue Probleme, die eine echte Herausforderung für die weitere (und nähere) Zukunft sind.

Da sollte man Vorsorgefonds bilden. WENN also das Problem dringend wäre, dass ein Konsumentenbedarf aufgefrischt und gehypt werden soll, dann stimmen die "endgültigen" Sätze auch.

28 30.Mai um 18:27

Wünsche dir nie Vertrauen

Wünsch es dir niemals, denn dann hast du ja keines. 
Dann gilt die Frage, warum nicht. Kein Götterfunke und kein Lottogewinn kann andere Leute dazu bewegen, dir zu vertrauen. Das hat nichts mit Enttäuschungen zu tun, sondern mit Kompetenz und Ehrlichkeit.
Alles kann schief gehen, sowieso. Und auch bei jenem Fall, wenn eigene Überzeugungen eigentlich nur Bauchgefühl sind, überzeugt die Gewissheit, wenn ich mir nur selber vertraue. Tue ich das, dann überrede ich nicht, dann überzeuge ich, weil dieser höhere Zeuge weder gekauft noch erzwungen scheint.
Und ich wünsche mir auch kein eigenes Vertrauen in andere. Ich habe es oder eben nicht.
Und kein Vertrauen zu haben, kann sich als falsch erweisen, hat aber Gründe, ob ich die nun
kenne und benennen kann oder nicht. Da muss ich mir selber vertrauen und überzeugungsbereit sein, in diese oder jene Richtung, das wird sich zeigen.
Eindeutig wäre aber, wenn mir Vertrauen abverlangt wird. Wer Vertrauen fordert, der hat dem Vertrauen entsagt. Noch unentschieden wäre zwar, ob derjenige dann sich nur selber betrügt oder bewusst eben mich. In jedem Fäll wäre aber Skepsis angebracht. In erstem Fall wäre die Sache selber zweifelhaft, im zweiten Fall die persönliche Motivation. Oft beides. Gern vertraue ich dem Henker, dass der womöglich sein Handwerk beherrscht, nie jedoch, dass der es gut mit mir meint.

29 31. Mai um 14:02

Macht hat keine Bedeutung

Sie wirkt und nimmt Einfluss. Und erst aus dieser Bemächtigung zieht sie Relevanz, eine eigene Bedeutung hat sie nicht. Macht gibt es ja in der brüsken und sanften Form. Die sanfte Form ist sicherlich die Macht des Beispiels, als Erinnerung an die vollbrachte Tat. Die Macht des Faktischen aus der Wirkmacht des Gemachten. Das müssen nicht unbedingt gute Erinnerungen oder gute Taten gewesen sein. Aber dann hätte der Abscheu eben auch eine Wirkmacht. Gutes und Rekorde fördern die Nachahmung und nach gelungenem Leben streben sowieso alle.
Aber es gibt eben auch die andere Macht, die, die als bedrückend empfunden wird oder zumindest als lenkend, als Gatter verbliebener Möglichkeiten. Und auch diese wäre nicht etwa zwanghaft böse, sondern kann Gutes bewirken. Z.B. in ihrer Orientierungswirkung durch verbindliche Entscheidungen. Aber auch diese Macht hat keine eigene Bedeutung. Macht haben und Macht ausüben sind beide gänzlich abhängig von Akzeptanz und Willfährigkeit. Denn selbst die Macht des Könnens, eigenem oder fremden, muss erst einmal anerkannt werden, um als Macht wirksam zu werden. Geschieht dies nicht, müsste der Verweis auf ein Können ersetzt werden durch die vollzogene Tat. Geschieht selten.
Zumal modernerweise Macht von Tat und Wirkung getrennt wird. Einher mit der Wirkmacht der „Dinge“ als Begehrlichkeit und Wertmaßstab vollzog sich auch die Verlagerung der Macht weg vom Tätigen hin zur isolierten Funktion. Macht geht nunmehr seltener von den
Befähigten aus, öfter jetzt von den Berechtigten. Die Berechtigten haben also die Macht, jene
Befähigten zu beauftragen oder zu hindern. Erlauben hieße nur Ausnahme vom generellen Verbot.
Welche Bedeutung sollte nun solche Macht wohl haben, wenn sie sich auf ein Formalrecht stützt und eigentlich nur für sich selber steht? Keine. Sie implodiert vor jeder aktiven Tat.
Was sie aber stärkt, das ist der Widerstand. Actio ist gleich Reactio. Dem Widerstand wird ein entsprechendes Aufgebot entgegengesetzt. (Nie würde ein Kinderfest mit gleichem Aufwand gesichert werden, wie ein Fußballspiel. Es würde abgesagt werden.)
Die irritierende Schlussfolgerung: Widerständler gegen Macht, wären Handlanger der Macht.
Beruhigend dagegen:
Die Macht der Natur besteht darin, dass sie keine will, keine hat und keine ausübt. Dafür ist sie von großer Bedeutung.

30 01. Juni um 14:15

Ein Preis macht keinen Wert

In den allermeisten Wüstenregionen ist Wasser von hohem Wert und oft billiger als nördlich der Alpen. Xfach wurde berechnet, was Nachkommen so kosten, aber wären die Kinder auch von diesem Wert? Und so manchem Erbe schmerzt die Gewissheit, dass ein halber Lebensertrag in die Sammlung des Verstorbenen geflossen ist, diese aber nicht verwertbar scheint. Und überhaupt erweist sich billiger oft als teurer. Gilt für Sachen, Prozesse und alle Herzensangelegenheiten. „Zu billig“ heißt es oft, wenn sich distanziert wird. Schnäppchen dagegen werden gern genommen.
Das hat mit ideeller und materieller Betrachtungsweise nichts zu tun und soll ganz ökonomisch verstanden werden. Der Markt macht den Preis, die Investition den Wert. In der Welt der Kunst kann das auch jeder Unbedarfte schnell erkennen. Was ist teuer und was wäre mir lieb und teuer, sind grundverschiedene Dinge. Der Lebenspartner, Erinnerungsstücke oder das Bernsteinzimmer sind unbezahlbar (klar!), aber hätten sie überhaupt einen Preis?
Doch, ja!
Wäre der wertgerecht? Vielleicht per Zufall.
Die billige Verfügbarkeit zu jeder Zeit, an jedem Ort ist ja oft nur preisbestimmt und sagt nichts über den Wert und die teure Rarität gleich gar nicht. 
Angebot und Nachfrage machen eben den Preis, aber längst keinen Wert. Frage man doch den Hirten nach dem Wert seiner Herde! Den Preis würde er nennen können, den Wert nicht nennen wollen. Und wäre die Orange, der Kaffee und das Baumwollshirt tatsächlich den Preis denn wert? Mit Markenlabel doppelt? Nein. Der Kellner ist im Menue eingepreist, aber er stellt einen ganz anderen Wert dar. Der Kellner macht den Kunden zum Gast, das hat mit dem Essen nichts zu tun und sowieso längstens nur für 3 Tage.
Oft ist das, was wir uns über den Preis so leisten, dem Wert nicht angemessen. In jeder Hinsicht. War die kwh Atomstrom 1993 nicht viel zu billig? Jedenfalls, wenn die Kosten in den nächsten 10000 Jahren eingerechnet würden. Und wäre das wirklich teure Do-it-yourself-Produkt nicht billiger im Baumarkt zu haben?
Der Wert wird eben durch die Investition bestimmt. Manche preiswerte Dienstleistung ist auch ein Ergebnis von Jahrzehnten Engagement, Lernen und Erfahrung. In jeder Stecknadel steckt auch Bergbau und verbrauchtes Leben. Diese Investition zählt mit. Lasse ich mich auf das Theater ein, bestimmt es meine Ansichten ganz sicher noch, wenn sich die Preise schon verdreifacht haben. Investiere ich mich und mein Leben in eine Angelegenheit, dann ist das mein Preis und von anderen kaum zu bezahlen, obwohl es für diese einen hohen Wert haben kann.
Ach so, seufzt das Versuchskaninchen...