Grantler's Corner: ASAP – As Soon As... PARTICIPATION // Im Rahmen der MCBW

Gestern wurde, schon wieder einmal, der Begriff Subkultur missbraucht. Subkultur, das stand einmal für das Interessante, für all das, was neben subventionierter Hochkultur läuft, für Selbstorganisation, für harte Türen und den Stolz derer, die wissen, womit sie es zu tun haben. Doch bei der Diskussionsrunde in der Favorit Bar wurde der Begriff der Subkultur als Ersatzwort verwendet, um von anderen Krankheiten dieser Stadt zu reden.

Eine Diskussionsrunde lamentiert seit Monaten über die Monotonie und die kulturellen Störungen der Stadt. Das Besondere daran: es werden keine Gegenvorschläge formuliert. Wirklich, seit Monaten geht es so, und schließlich verliert man noch den letzten Respekt vor der dass man den Respekt von der historischen Bedeutung von ‚Subkultur‘ verlieren muss. Der Modus: es wird gejammert. Es wird nach Berlin geschielt, wo es doch das Berghain gebe (was hat Subkultur eigentlich mit Partytourismus zu tun?), tausend bezahlbare Ateliers und spannende Off-Spaces galore. Das alles ist geschenkt. Wer sollte dem widersprechen. Und doch gilt die alte Regel: sobald es auf einer Party oder in einer Bar-Runde zum Städte-Vergleich kommt, ist es Zeit zu gehen. Nichts ist erwartbarer und nichts langweiliger.

‚Monokultur‘, so der Name der Diskussionsveranstaltung, entpuppt sich als Versammlung nölender Stammgäste, die es mittlerweile unerträglich finden, in dieser ‚Weltstadt mit Herz‘ zu arbeiten.

Ich weiß; es ist ja auch unerträglich.

‚Grantler’s Corner‘ ist die Serie der MCWB - Munich Creative Business Week - für irgendwie alle, die sich interessieren, in dieser Stadt zu überleben und andere Wege dafür zu finden. Also das Gegenprogramm für die gleichen Sorgen. Und die Aufgabe ist nicht unbedingt etwas an der Stadt zu ändern.

Damals in den 80er Jahren repräsentierte ja ‚Subkultur‘ eine Gegenbewegung zur kapitalisierenden und homogenisierenden neoliberalen Diktatur. Das hatte damals großen Sinn, aber die Bedingungen haben sich geändert. Vielleicht ist es an der Zeit, einen anderen Begriff stark zu machen: Partizipation.

Gemeint ist damit zugleich innovative wie kreative Arbeit, die sich Nischen und Allianzen sucht, die auch einmal ungewöhnliche Wege geht. Machen statt fordern, teilhaben, statt sich selbst auszuschließen (und darüber dann zu klagen).

Dazu laden Oliver Herwig, Sarah Dorkenwald, Christina Mayer und Johannes Gumpp zur Diskussionsrunde, die eben Lösungen der gemeinsamen Arbeit mit der Stadt, mit den Szenen, mit den Institutionen und mit den Freunden Anhang von sechs Beispielen entfalten.

Reflektor M ist Mitgestalter der Veranstaltung, und als Online Querformat in der Stadt für Zeitgenössischen Kunstpraxen mit unserem Kalender und kritischen Kommentaren, haben wir gemeinsam mit den Veranstaltern der ‚Grantler’s Corner‘ als Thema ASAP gewählt.

Nicht ‚As Soon As Possible,‘ sondern ‚As Soon As…. Partizipation‘.

Dieses Zwischen-Sprachen-Spielchen braucht eine kleine Erklärung. Das ‚Grantler’s Corner‘ ist ein informelles Diskussionsformat. Sie leitet sich vom bayerischen Granteln und der Speaker`s Corner ab. In lockerer Atmosphäre wird mit Meinungsbildnern scharfsinnig über Allianzen, Herangehensweisen und Haltungen im Design diskutiert.

Die Grantler‘s Corner hat sich zu einer alternativen Plattform für aktuelle Themen der Designwirtschaft etabliert, und in 2017 benötigt es, sich mit den wichtigsten Faktoren der Gesellschaft: Zeit und Kollektivität.

Kreativen sollen immer schneller, immer innovativer immer mehr Ideen liefern. Gerne im Kollektiv oder als Jam Session oder im Hackathon. Gerne auch pro bono - und nebenbei die Welt retten. Sind Designer, Dramaturgen, Künstler oder Musiker einfache Dienstleister, kreative Exoten, lonely stars oder Allerwelts-Business-Persons?

Granteln hilft nix? Kommt drauf an wie. Über Sinn und Unsinn in der Kreativwirtschaft sprechen EBOW (Ebru Düzgün, geilste Rapperin der Stadt), Michael Geldmacher (Maurus Reisenthel von GoIn und Projektteam‚ ‚Möbel für das Bellevue di Monaco’), Tilla Goldberg (Direktorin für Product Design der Ippolito Fleitz Group GmbH), Tarun Kade (Dramaturg an den Kammerspiele München), Malin Schoenberg (Graphikdesignerin und Künstlerin) so wie Johannes Start (Munich Design Jam, Lead).

Die Prinzipien der kollektiven Arbeit in den unterschiedlichen Felder des Industrie Designs, der Bildenden Kunst, des Theaters und der Musik erzählen mehr als Geschichten der Transdisziplinarität. Und die Öffentlichkeit steht im Mittelpunkt dieser Arbeit als Auftrag zur deren Sensibilisierung.

Moderiert wird die Diskussion von Sarah Dorkenwald und Oliver Herwig, Reflektor M wirft Ideen aus dem Publikum, das hoffentlich mehr zu sagen hat als wir.