Kunst lehren / teaching art – Städelschule Statements (Auszüge / excerpts)

Letzten Endes dreht sich alles um die einzelnen Künstler/innen. Es war immer und ist auch heute noch unmöglich, die an der Städelschule betriebene Form des Unterrichts auf irgendeine besondere Doktrin zu reduzieren, denn sie hat sich immer auf die inspirierten Beiträge einer kleinen Gruppe starker Lehrerpersönlichkeiten konzentriert, von denen jede ganz unterschiedliche, manchmal einander widersprechende Ansichten über das mitbrachte, was an Kunst (und Architektur) das Entscheidende ist - von Thomas Bayrle, Peter Cook, Ayse Erkmen und Hermann Nitsch in der jüngeren Vergangenheit bis zu den heute aktiven Ben van Berkel, Isabelle Graw, Michael Krebber, Mark Leckey, Christa Näher, Tobias Rehberger, Willem de Rooij, Martha Rosler, Simon Starling und Wolfgang Tillmans. In Zusammenarbeit mit ihren Studenten/innen sind dies die entscheidenden Leute, die den Charakter der Hochschule bestimmen. Dabei nehmen sie sich alle Freiheit, und es ist meine gründsätzliche Überzeugung, dass diese Freiheit das Allerwichtigste ist. Was sie zu bieten haben, sind nicht nur ihre Erfahrungen und Kenntnisse, sondern letzlich etwas weit Wichtigeres: sie bieten sich selbst als Beispiele dafür an, was es heute bedeutet, Künstler/in zu sein. Das ist warhscheinlich die wesentlichste Eigenschaft der Städelschule: der einzelne Künstler ist wichitger als Erziehungsprogramme oder Doktrinen.

Daniel Birnbaum

Wie auch immer das Modell oder sein Gelingen zu bewerten ist, die Kernfrage betrifft neue pädagogische und künstlerische Modelle, mit denen sich die Hochschulen auseinandersetzen sollten. Den rein ökonomischen Wert außer Acht gelassen, Kunst machen ist eher ein Prozess als ein Produkt, hat mehr mit sozialem und intellektuellem Kapital als mit der Eröffnung neuer Forschungsbereiche zu tun. Eine Kunstausbildung zu erhalten, bedeutet also eine Investition in soziales Handeln. (...) Die Aufgabe, die ich vor den Kunsthochschulen liegen sehe, besteht in der Versöhnung experimenteller, radikaler Praktiken des einzelnen Künstlers mit den widerstrebenden, unvorhersehbaren und asymmetrischen Verhältnissen, aus denen sich die Welt zusammensetzt, in der solche Kunst entwickelt und hergestellt wird. Dem scheint mir in diesem neuen Kontext das Verhältnis zwischen Kunst und Ausbildung als zwei verschiedene Versionen eines Prozesses der Bewusstseinsbildung gegenüber zu stehen: sich selbst zu entdecken und sich selbst zu emanzipieren.

Okwui Enwezor, Kunstausbildungen jenseits der Modelle der Wirtschaft

Zunächst ist Kunstkritik auf eigentümliche Weise heteronom und autonom zugleich. Einerseits nimmt sie koproduktiv an der Produktion und Vermarktung von Kunst teil, eine Verstrickung, die in den letzten Jahren noch zugenommen hat. Andererseits handelt es sich hier um eine Praxis, die ihren Gegenstand quasi selbst begründet und dabei Anspruch auf kritische Distanz erhebt. In Anbetracht der Tatsache, dass die Bildung der Kunstkritik zu einem wissenschaftlichen Feld immer noch aussteht, sucht das Institut für Kunstkritik [von Daniel Birnbaum und Isabelle Graw im Sommer 2003 gegründet] diese Lücke zu schließen. (...) The Power of Criticism lautete der (sprechende) Titel des ersten Symposiums, das 2004 abgehalten wurde. Statt der Kritik wie so oft Ohnmacht angesichts übermächtiger Marktmechanismen zu attestieren, sollte dieser Tendenz zur Negativbilanz entgegengewirkt werden, um einen emphatischen, starken Kritikbegriff zur Diskussion zu stellen. Dabei stand die Frage nach der Relevanz einer mittlerweile kanonisierten Modernismuskritik ebenso im Raum, wie unterschiedliche Kritikbegriffe, etwa das Modell Kulturkritik, kritisch diskutiert wurden. Statt methodische Probleme, etwa die Versöhnung einer eher immanenten Herangehensweise mit einem gesellschaftsorientierten Ansatz, isoliert zu verhandeln, blieben diese stets in eine gesellschaftskritische Perspektive eingebunden.

Isabelle Graw, Institut für Kunstkritik

Why not speak about the academy in the name of the good life? If what happens at the academy is of any value, it would have to be of significance with respect to the good life, and precisely not only for the institution or the economy. The good life fends off encroachments by the institution and by the economy. Both can be fundamentally questioned from the vantage points of the good life. The raison d'etre of the institution and the economy is that they provide for a better life. If they don't, the lose this legitimacy. (...) The question of the good life arises in a sustained way at the academy because the latter is - and perhaps, is primarily - a place of problematic communal life.

Jan Verwoert, Free? We are Already Free

With its unused real estate, the Frankfurt of the nineties seemed to be an ideal breeding ground for its numerous Off spaces. They shot up all over town life mushrooms. Yet it would be wrong to glorify in nostalkgic retrospect the dense network of non-commercial project spaces for art. Self-organization by artists occurred also for obvious economic reasons. There were only few available options for students of art and graduates to show their work. This lack of a public gave rise to project spaces that were able to react to changes in urban structure more flexible than the institutions.

Hortense Pisano, 'The artist as catalyst'. Some temporary project spaces initiated by Städelschule students in Frankfurt (1995 - 2007)

Among the spaces mentioned are Annette Gloser's 'Office For All Questions'(1991) ; the 'Mother's Day' group; Galerie Fruchtig (1995); Phantombüro (1999); Daniel Milohnic and Philipp Zaiser's 'Tempel' (1999) and 'Frankfurter Kreuz' (2001); Niza Transfer - curated by Florian Waldvogel, Beate Ansbach and andreas Wissen (2003); Peter Lütje's 'rraum' (curated with Meike Behm 1995 - 2000) and 'rraum 02'(curated with Christoph Blum, Claus Richter and Haegue Yang in 2001); luftraum (2001); 'Peles' by Barbara Wolff, Marc Cohen and Katharina Stöver (2005), which developed in 2006 as 'Peles Empire' in London and 'Peles Galerie' in 2007 in Los Angeles; 'Oskar-von-Miller 16'; 'Freitagsküche' by Michael Neff and Tobias Rehberger; Atelierfrankfurt; Britta and Klaus Kamptner's 'Tschoperl'; Karl Orton and Hendrik Zimmer's 'ritter&staiff'; Naneci Yürdagül's Freunde am Main ("Here we can react to the city's event") and 'Stolze 11'; Stefan Wieland's 'Gorillas in the Mist' (2007); 'The Hell', by Martin Neumaier, Sebastian Stöhrer and Stefan Wieland; Olaf Hackel's 'Corinna' and Harald Pridgar's 'martinasebastianolaf' (2005/2006).