Offener Brief gegen die Diskreditierung von Künstlern in der Gesellschaft – Nach einer Talk-Show im öffentlich-rechtlichen Fernsehen

  • 29.08.2018

Sehr geehrter Herr Lanz! 

Ich möchte eine kurze Anmerkung und Kritik zu der Talkshow am Mittwoch, den 22.8.2018 abgeben. In dem Ankündigungstext der Talkshow war zu lesen, dass der Künstler Leon Löwentraut eines „der größten Talente der deutschen Kunstszene“ sei. Das zeugt von journalistischer Verkehrtheit und könnte mit einem lauten Auflachen kommentiert werden.

Ich bezweifle, dass sich der Verfasser dieses Ankündigungstextes mit irgendeinem aktuellen Diskurs der vielfältigen Kunstszene in Deutschland auseinander gesetzt hat, bevor er dies schrieb.

Es erscheint eher so, dass an dieser textlichen Stelle, die ich zum Anlass meiner Kritik nehme, scheinbar von einer anderen Quelle Unüberlegtes naiv zitiert und verbreitet wurde, ohne sich der Tragweite solcher Aussagen bewusst zu sein. Man könnte sagen, dass es sich dabei um eine Falschaussage handelt, weil es sich objektiv widerlegen lässt, dass Herr Löwentraut ‚eines der größten Talente der deutschen Kunstszene‘ ist.

Natürlich lässt sich über Talent streiten. Das Problem ist aber noch ein anderes: auf Grund der zitierten Aussage werden damit nämlich folglich in ihrer Talkshow indirekt Institution wie Kunsthochschulen verunglimpft, wenn im Laufe der Talkshow von Ihnen als Moderator gesagt wird, dass viele berühmte Künstler von diesen abgelehnt worden seien. Es ist aber eher die Regel, dass die meisten berühmten Künstler auf einer Akademie waren. Herr Löwentraut ist ja ein eloquenter und sympathischer Mann. Aber die Frage bleibt, ob er, der von Mama und Papa gemanagte Junge, eine derartige Bühne verdient hat?

Denn durch die Art und Weise der Berichterstattung entsteht für ein breites Publikum ein vollkommen verzerrtes und auf Irrtum etabliertes Bild von zeitgenössischer Kunst in Deutschland. Nur dass kein Missverständnis entsteht, natürlich kann man darüber berichten, wie ein junger Mann einen derartigen Hype erfährt, aber warum lässt sich das nicht kritischer und vor allem ohne den unaufgeklärten Subtext des Moderierenden im Rahmen so einer Show darstellen? Entspricht dies dem Anspruch des öffentlich-rechtlichen Journalismus? Ihre beiläufig abfälligen Meinungsäußerungen über den Kunstsektor erscheinen wie die volkstümlich gefährliche Variante einer Sicht auf Kunst, die bestimmte Rechte Parteien genauso vertreten würden. Dies im Rahmen eines seriösen Formates wie der Markus-Lanz-Show zu erfahren, könnte einem Angst machen. 

Mit freundlichen Grüßen,  Patrick Alt