Profil: Verena Seibt & Clea Stracke – Förderpreisausstellung der Stadt München 2016

Die Folgen der Trennung sind irreversibel.“ Das schreibt Jan Verwoert über den tragischen Zug der Arbeit ‚Weil ich dich nicht mehr liebe...’, von Verena Seibt & Clea Stracke, als eine Müllpresse die Dinge vor unseren Augen verwüstet.

Was ist etwas wert? Was ist Wert?

Die Melancholie und die Kälte unserer Wegwerfgesellschaft konzentrieren sich in dieser Arbeit, die bei der Förderpreis-Ausstellung gezeigt wird.

Dabei ist der Akt der Trennung durch den Akt des Wegwerfens nicht unbedingt der Ausgangspunkt, aber der demokratische Ort des Wertstoffhofes. Ein Ort, an dem pausenlos Verabschiedungsprozesse zwischen Besitzern und ihren Dingen, die nicht mehr gebraucht werden, stattfinden. Die Videoinstallation verbindet starke Worte (‚Weil ich dich nicht mehr liebe’) mit den passiven Zuständen der Gesellschaft, den Schmerz mit der frivolen Oberfläche unseres Alltags. Das mag wie eine antikapitalistische Haltung klingen, ist es aber nicht.

Was Seibt und Stracke uns mit diesem demokratischen Ort vermitteln, lässt auch den Dingen ihren Raum. Man führt den Diskurs in eine andere Blickrichtung, in dem Demokratie ihre Wirkung anders zeigt, trotz der Instabilität ihres Mehrheitsprinzips und der Deformationen deren Verständnis, die so was wie die AfD oder ähnlich komische Selbstüberforderungen produziert.

Aber hier geht es um Gefühle. Die Demokratie der Gefühle. (Eigentlich nicht so weit weg von der politischen Ordnung, auch wenn das hier irrational klingt.) Da spaziert eine alte Dame, die ihren Barock in den Wertstoffhof bringt, aber auch ein Student mit seinen Billy-Regalen. Eine Futon-Matratze muss auch weg - dafür müssen mehrere Kräfte vereint werden, um sich von dieser Schwere zu befreien.

Feng Shui für den Konsum? Die Leere ist nötig, möchte man die Vergangenheit begreifen. Danach kann man der Zukunft in die Augen schauen. Die 20 Minuten von ‚Weil ich dich nicht mehr liebe’ stellen menschliche Beziehungen als Ordnung der Welt heraus. Das gilt auch für die Beziehung zwischen den zwei Künstlerinnen.

Clea Stracke, geboren in Berlin, und Verena Seibt, geboren in Dachau, arbeiten seit zehn Jahren zusammen, zuerst waren es nur Einzelprojekte, Klassenausstellungen in der AdBK München, danach hat sich die Einfachheit der Kooperation als Bedingung für die individuelle kreative Arbeit gezeigt.

Bühnenbild und freie Kunst waren die zwei Arbeitsrichtungen, die bei beiden zusammenkommen. Entweder als Austausch oder als Formel, der Arbeitsprozess bei Seibt und Stracke wird immer durch die Sprache definiert. Eine macht einen Vorschlag, die andere interpretiert ihn, manchmal auf überraschende Weise. Bis jetzt fallen die Entscheidungen am richtigen Zeitpunkt, am richtigen Ort. Und das spiegelt sich gut in diesem Video wider, das irgendwie auch die Momente der Transformation zwischen den Künstlerinnen zelebriert. Feng Shui, eben.