Review: Tobias Donat x Buero Kofink Schels Global Goals – Global Goals @ Nir Altman Galerie

Über die Berechenbarkeit mentaler Vorgänge lassen sich ja nur Spekulationen anstellen, zumal, in ihrer Komplexität betrachtet, sich ein Großteil auf nicht nachvollziehbaren Schichten vollzieht und im Ganzen gesehen eine Gemengelage darstellt, die sich schlecht in distinktive Partikel unterteilen läßt. Und selbst dort, wo diese Vorgänge an die Muster richtigen Verhaltens angelehnt sind, verbinden sie sich gelegentlich mit Vergesslichkeiten, die das Ziel kaum als das Offensichtliche erscheinen lassen. Warum also nicht den umgekehrten Weg gehen, den Weg, an den Stellen Markierungen bereitzustellen, die uns für den Inhalt unvermutet vorkommen, Einstreuungen an Orten vorzunehmen, die in ihrer Nebensächlichkeit dem Bewußten kaum bis gar nicht zugänglich sind, Aktivressourcen in Passivmomente einschmuggeln?

Nach dem Text der Galerie hat das Daybed eine lange Tradition, die vielleicht beiseite gelassen werden kann, wenn man bedenkt, was alles in den selben materiellen, distinkten Einheiten unter dem Vorzeichen der Funtionalisierung zwar weitergetragen, aber längst aus seinem einstigen gesellschaftlichen Kontext herausgefallen ist - substantiell gesehen, ergibt das keine Einheit. Das gegenwärtige und in der Ausstellung gezeigt Daybed gehorcht der Möglichkeit einer individuellen Instrumentalisierung in der Einbettung jeweiliger Tagesabläufe. Wie dem auch sei, es ist ein hübsches Objekt und bezieht tatsächlich seine Herkunft aus dem Bereich der Einrichtungsgegenstände, die, je nach Bedarf, Raum im Alltag finden können. Vielleicht ist noch die Andeutung der Freudschen Couch ein interessanter Hinweis in der Richtung, dass sich hier, beim Daybed, etwas abspielt, das sich unter dem Schirm wacher Selbstbehauptung abspielt, eher in der Analyse ebendieser, im Übergang zum Schlaf, zum Traum befindet. Dass sich genau hier die Markierung für ‚Global goals‘ einschreiben, mag einer Überlistung gleichkommen.

Wie immer man zu den global goals stehen mag, ihr Inhalt ist sicher der Richtige und ihre Umsetzung in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren in der Tat ein erkennbares Vorhaben. Dass sie sich gelegentlich Überschneiden, schwächt sie nicht und nimmt nichts von ihrer Erforderlichkeit. Die Daybeds, nun, sind mit einem Überzug versehen, auf dem auf eine mehr oder minder ornamentalen Weise in unendlicher, schlauer Wiederholung, einige dieser goals eingedruckt sind, zwei sind kombiniert zu einem, Gleichheit und Gerechtigkeit, zwei stehen je für sich, die Rettung der klimatischen Verhältnisse und Armut. Formuliert sind sie in einer auffordernden Fragestellung. Die drei Daybeds unterscheiden sich darüberhinaus durch die Farbigkeit der Überzüge, signalhaftes Rot, Gelb und Blau. Sie stehen auf einem schwarzen Teppich, der je bedruckt ist mit aus Architekturzeichnungen entnommenen Wandchiffren und darin eingeschlossenen Eingängen - das weist wohl darauf, dass wir uns in der Einlassung auf die Daybeds auch einem privaten Bezirk nähern. Die Gestelle der Betten sind schlicht bis spröde gehalten und im Ganzen möchte man nicht eine ganze Nacht auf ihnen verbringen - bedingte Gemütlichkeit, ein zeitlich limitierter Schlaf...

Es laufen eine große Anzahl von Widersprüchlichkeiten durch die Ausstellung, die letztlich darin aufgefangen werden, dass sie es in ihrer Thematisierung tun. Die Galerie als öffentlicher Ort zieht damit jede ins Passive und Private fallende politische Schläfrigkeit von dem Versuch ab, in einer Agonie zu enden. Natürlich könnte einen die Unbedingtheit stören, auch noch einer surrogaten Selbstgefälligkeit ihren ganz eigenen Raum und ihre Abgeschirmheit, ihre Unantastbarkeit zu rauben. Aber dieses ‚global goals‘, als Ausstellung, nimmt eine Umkehrung vor, die darin gesehen werden könnte, wie wenig man im Schnitt der Störung Beachtung schenkt, mit der der Hinweis auf das Konsumieren bewerkstelligt wird.