WORKING WITHOUT THE PRESSURE OF SUCCESS – Wider den sexistischen Vorurteilen im Kunstbetrieb

  • 14.02.2019

„...und dann sagt er tatsächlich, es sei richtig, wenn Künstler mehr verdienen würden als Künstlerinnen, sie müssten schließlich, im Gegensatz zu ihren weiblichen KollegInnen, für den Unterhalt ihrer Familien aufkommen.“

, erzählte mir letztens eine befreundete Kuratorin von einem Gespräch mit einem Künstler. Was die Guerilla Girls in ihrer Arbeit „The Advantages Of Being A Woman Artist“ bereits 1988 zynisch auf den Punkt gebracht haben (nämlich #1 „Working without the pressure of success“), ist also auch 2018 noch eine vertretbare Meinung im Kulturbetrieb. Wir sind erst mal schockiert. „Ich mein, was sagt man jemandem, der so eine Meinung vertritt?“, fragt meine Freundin zu Recht.

Nach wie vor halten sich sexistische Kommentare und Weiblichkeitsmythen mit erstaunlicher Beharrlichkeit, und das über alle Gesellschaftsschichten hinweg, zu Hause, im Beruf, im Freundeskreis, auf der Straße und im Galerieraum. Solche Stehsätze entbehren oft jeder wissenschaftlichen Grundlage und hinterlassen trotzdem Spuren beim Gegenüber. Meist ist das Sprachlosigkeit, manchmal Unsicherheit, vielfach Verletzungen und Kränkungen und fast immer Bilder, die sich verfestigen. Die karrieregeile Rabenmutter, die hysterische Ehefrau, das Mädchen von Nebenan – sie sind uns wahrscheinlich allen ein Begriff. Die Künstlerin ohne Erfolgsdruck, das männliche Genie, die weibliche Träumerin – ja, Sprache schafft Bewusstsein. Immer noch.

Wie also dagegenhalten? Wie kann man diese sich perpetuierenden Geschlechterstereotype vernichten? Patentrezept gibt es leider keines dafür, aber reden hilft. So zumindest die These der Initiative “No More Bullshit” des österreichischen Frauennnetzwerks Sorority un der gleichnamigen Publikation. Ziel ist es, hartnäckige Vorurteile rund um Feminismus und Geschlechterrollen zu sammeln, zu hinterfragen und zu widerlegen, um einen nachhaltigen Diskurs zum Thema anzuregen sowie Lust und Mut machen, Widerrede zu leisten, wenn Menschen aufgrund von Identitätsmerkmalen herabgewürdigt werden. Humor kann dabei ein gutes Werkzeug sein, Fakten sind jedenfalls eine gute Grundlage, der erste Schritt ist aber oft, den sozialen Mut aufzubringen, etwas zu sagen und zu kontern. Machtverhältnisse und Beziehungsstrukturen machen das nicht immer möglich, aber wenn man in der Position ist und in der Verfassung etwas zu sagen, dann sollte man das auf alle Fälle tun. Dabei geht es nicht um die lustigste Pointe oder den schlagfertigsten Kommentar, sondern darum, Vorurteile und Bullshit nicht gelten zu lassen. Nachfragen („Wieso glaubst du das?“, „Kannst du mir das genauer erklären“?) oder kurze Kommentare („Das habe ich anders in Erinnerung.“, „Das finde ich nicht nachvollziehbar.“) sind ein guter Anfang um festgeschriebene Vorurteile ins Wanken zu bringen.

Es ist auch nicht unbedingt notwendig, das letzte Wort zu haben. Nicht immer gelingt es, GesprächspartnerInnen zu überzeugen. Trotzdem zu kontern ist dennoch wichtig, um MithörerInnen auf andere Meinungen aufmerksam zu machen, an- oder abwesende Diskriminierte in Schutz zu nehmen und Bullshit einfach nicht unkommentiert im Raum stehen zu lassen:

Denn, um auf das Eingangsbeispiel zurück zu kommen, auch Frauen* haben Familien zu ernähren und Haushalte zu führen. Aufgrund des Geschlechts auf die ökonomische Situation von Menschen zu schließen und davon ausgehend Thesen zu Honorarforderungen aufzustellen, ist nicht nur kurzsichtig, pauschalisierend und anachronistisch, sondern hat reale Konsequenzen für jene, deren Arbeit durch solche Aussagen abgewertet wird. Studien zur sozialen und wirtschaftlichen Situation von Künstler_innen bestätigen das. Es ist beschämend, wie im ‚liberalen’ Kunstfeld veraltete Konzeptionen von männlich und weiblich tonangebend bleiben. Lasst uns also lästig bleiben und den Dialog einfordern, um langfristig binäre Strukturen aufzubrechen.


Mehr auf Arts of the Working Class Issue 5, hier.