Weltraum

Der Weltraum in der Rumfordstraße ist ein Ausstellungsraum für junge Kunst, der jedes Wochenende eine neue Ausstellung präsentiert. Hier können sich junge Kunstschaffende frei entfalten, experimentieren und ihre Arbeit ohne Marktdruck einem breiten Szenepublikum eröffnen.

(Aus dem Pressetext von Uli Eigner für die Lothringer13 Halle, April 2009)

Liebe und Verausgabung

Eine Stadt ist immer nur so gut wie die Menschen, die in ihr leben. Gleiches lässt sich auch über die Kunstszene einer Stadt sagen: Deren Lebendigkeit und Qualität ist vor allem von der Aktivität ihrer Protagonisten bestimmt, d.h. von den Künstlern und Kuratoren vor Ort, den Sammlern, Galeristen und Kritikern. Dabei sind es nicht zuletzt die unabhängigen Projekträume und Offspaces, die das spezifische künstlerische Klima einer Stadt prägen und ausmachen. Vor allem in München halten – nach einer doch spürbaren Galerienabwanderung nach Berlin – derzeit vor allem die Projekträume die Fahne hoch, indem sie ein durchaus professionelles und internationales junges Programm jenseits von städtischer Förderung, staatlicher Subventionierung oder kommerziellen Vermarktungsinteressen zeigen.Der Weltraum in der Rumfordstraße zählt in München zu den aktivsten Plattformen. Als Projektraum mit der höchsten lokalen Ausstellungsfrequenz kann er dabei auf einen enormen Output zurückblicken: 100 Künstler in drei Jahren! Das heißt auch: Jede Woche eine neue Ausstellung, jeden Freitag Eröffnung! Darunter Münchner Künstler, Künstler und Designer aus anderen Städten und anderen Ländern. Dazu Vorträge, Diskussionen und und und. Zu schaffen ist das wohl überhaupt nur mit einer erheblichen Überinvestition von „Energie und Liebe“ in die Künstler und die Kunst. Motiviert ist dieser freiwillige Einsatz durch die feste „idealistische“ Überzeugung, damit Wichtiges für die Sache zu leisten. Ein gewisser Pragmatismus, wie er sich in den lakonischen Einladungsmails, die nur aus der Betreffzeile bestehen, zeigt, gewährleistet die praktische Durchführbarkeit eines solchen Konzepts der „Ermöglichung“.Schon das vorgelegte Tempo gibt dabei den Style vor: Der Weltraum ist weniger der Ort überkuratierter Ausstellungskonzepte, sondern zeigt neue künstlerische Positionen unprätentiös und ohne zu engmaschigen programmatischen Filter. Dabei auf eine charmante Art „quick and dirty“, ein bisschen wie im Kettenkarussell, aber mit „klarem Denken“ ausgewählt und – mit „guten Sitten“ – bei Bier und Ofenwärme geschmackvoll vorgetragen: eine „prachtvolle Fontäne dynamischen Lebens“ eben.(Daniela Stöppel 2009)

Spiritus Rector

Freitag Abend, Rumfordstraße 26 – weiße Wände, Parkett, zwei Räume, ein Tresen. Bis raus auf die Straße alles voll mit Leuten, die Tram kommt nicht mehr vorbei, die Nachbarn klingeln. Gibt die Queen Autogramme? Man schiebt sich durch die Massen, und steht plötzlich vor einer röhrenden Muskelmaschine und einem Typ der wild in schwarzer Farbe tanzt. Kunst also! Frische Kunst aus der Region! Projektion, Installation, Objekt, Skulptur, Zeichnung, Malerei. Ans Fenster gepinselt, Papiere in die Luft geklebt, Stangenkonstruktionen und die Erkenntnis, dass die eigene Erwartung hier keine Rolle spielt. Wo ist die Preisliste, wer ist der Galerist? Galerie, nein nein, Projektraum, Off-Raum, Off-Space! Der Beweis, was, kein Weißwein? ist, Nichts ist eindeutig, Bei Skylla und Charybdis!, zwei Helle, sonst zerquetschen schwebende Superquallen Jets in der Luft. Opfere dich – nein!, und drei Helle für Me, myself and I und acht für Vision and Fiction, Atlantis sind wir, im Doppelpack, im Modelluniversum. Fünfundzwanzig Kästen für nächste Woche, da hängen wir Hundertsechs Künstler dazu spielt Kurbelmusik und Herr Winkelhuber vergibt sein München Stipendium. Alles für Mythos und Legende – Neu New York! Zum entlüften gehen wir Morgen an die Isar, schmecken bei Sonne, Föhn und Blauen Bergen aufs Neue das unentdeckte Land aus der Luft. Also trink erst noch ein Helles mein Freund und steck dir ein Stück Zeitgeist ein, bevor der Abend verglüht. Dreh noch eine Runde. Hast du schon das Plastikschwert mit Elfenbein Knauf gesehen oder die Abstrakten aus Los Angeles? Nein? Dann mal los, aber schau das du bald nach Hause kommst, denn Nachts ist der Weltraum nichts für die Lebenden. Die Bilder entlassen im Dunkel ihre Geister, Dämonen aus Öl und Ton, die sich schaurige Geschichten erzählen: Ein Typ, gerade verstorben, wacht an einem weißen Strand auf, eine leichte Briese bewegt die Palmen durch perfekte Luft, perfekte Wellen rollen sich in der sichelförmigen perfekten Bucht aus. Kommt ein Typ in weißem Anzug vorbei, „Servus ich bin der Teufel, pass auf, ich hab nicht viel Zeit dir alles hier zu erklären, aber da hinten, am anderen Ende der Bucht, ist eine Bar …“
(Leonhard Hurzlmeier 2009)