Performance – ENJOY RACISM

von Thom Truong

Enjoy Racism des Regieduos Thom Truong lädt das Publikum zu einem performativen Experiment ein: in eine Gesellschaft, die alle Braunäugigen diskriminiert. So sollen die ZuschauerInnen aus ihrer Komfortzone gelockt werden. Die Arbeit versetzt das Blue Eyed-Experiment ins Theater und befragt das Sozialexperiment auf performative und theatrale Elemente. Die Performerin Marie Caroline Blanche führt durch den Abend wie durch ein Wohltätigkeits-Dinner. Die Zuschauer werden umsorgt: Apéro riche inklusive Sektchen für alle. Nicht ganz für alle, für die Braunäugigen nicht. Das Publikum wird nämlich aufgrund der Augenfarbe diskriminiert und von einander getrennt: Menschen mit blauen Augen erleben die Vorstellung anders als diejenigen mit braunen. Sie halten sich in verschiedenen Räumen auf, werden gegeneinander ausgespielt, erleben Machtdemonstrationen, Demütigungen, Mitbestimmung und Privilegien – je nach Zuordnung.

Dieses interaktive Stück über das Verhältnis von „Privileg“ und „Race“ geht an die Substanz, weil es auch einem aufgeklärt-linksliberalen Kulturpublikum an keiner Stelle erlaubt, es sich im eigenen Set an Überzeugungen – „Wir sind die Guten, Ihr die Bösen“ – gemütlich zu machen. Rassismus und Privilegen werden in diesem theatralen Setting auf schmerzhafte Art und Weise erlebbar. Es ist eine radikale Erfahrung für die Zuschauerinnen, einer Situation ausgeliefert zu sein, die für viele Menschen alltäglich ist. Dieser Zustand ist für viele Menschen in der Welt eine Art Normalzustand, der an ausschließlich an phänotypische, äußerliche Merkmale geknüpft ist. Die Zuschauer*innen werden mit den Gesetzen der Willkür, des vergeblichen Widerstands, der Sprachlosigkeit und Ohnmacht konfrontiert – und auch mit der eigenen Tendenz, lieber unbequemes auszuhalten, zu gehorchen, als eine Situation zu verlassen. Die schwebende Ambivalenz dieses Zustandes wird so für den zum Mitakteur werdenden Zuschauer spielerisch erleb-und erleidbar. Ganz dem Titel treu heißt es in dieser Inszenierung: «Enjoy Racism».

Konzept, Regie: Thom Truong | Performance: Ntando Cele, Mbene Mwambene, Monika Truong | Dramaturgie: Yves Regenass | Stenographie: Susan Wäckerlin, Matthias Werner Video Oliver Eckert | Lichtdesign: André Donzé Regie- und Produktionsassistenz Yan Balistoy, Antoinette Ullrich, Isabell Heinrich | Produktion: Verein Overseas | Koproduktion: Fabriktheater Rote Fabrik, ROXY Birsfelden | Gefördert durch Kultur Stadt Zürich, Fachstelle Kultur Kanton Zürich, SoKultur Lotteriefonds Kanton Solothurn, Paul Schiller Stiftung, Migros Kulturprozent Zürich, Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia