Studientag / Abendvortrag – Ästhetiken der Reproduktion

Sebastian Egenhofer „Leere Körper, leere Räume. Warhols Ästhetik der Absenz“

Studientag des Lehrstuhls für Philosophie und Ästhetische Theorie der Akademie der Bildenden Künste, des Museum Brandhorst und des Zentralinstituts für Kunstgeschichte

Warhols programmatische Auslöschung von Subjektivität wurde oft in Zusammenhang mit seiner öffentlichen Persona und mit dem einen Grundzug seiner Arbeit, der Serialisierung der Produktion, untersucht. Der Vortrag konzentriert sich auf die Leere, die diese Auslöschung hinterlässt, und auf die Verfahren ihrer Konturierung und Formung. Vor dem Hintergrund der drip paintings Jackson Pollocks wird der Ausfall des Körpers des Produzenten in den frühen episkopgestützen Comic-Bildern Warhols analysiert. Ein Ausblick auf Werbeanzeigen für die Schuhfirma I. Miller & Sons macht die ökonomische Bestimmung der Leere als die abstrakte Wertsubstanz sichtbar. Der Blick auf Warhols „advertisement paintings“ von 1961 weist ihre Einschreibung ins Register der sexuellen Differenz auf. Die Analyse einiger Siebdruckgemälde zeigt, wie die Leere selbst zum paradoxen Körper wird, der mit dem Warenfetisch des Gemäldes verschmilzt.

Prof. Dr. Sebastian Egenhofer, Wien
Sebastian Egenhofer ist nach Stationen in Basel und Zürich seit 2016 Professor für Neueste Kunstgeschichte an der Universität Wien. Forschungsschwerpunkte sind die Abstraktion der klassischen Moderne im sozial- und wissenschaftshistorischen Kontext, subjektivitätstheoretische Implikationen neuzeitlicher Bildsysteme und das Eindringen von Schrift und Schriftlichkeit in die visuelle Kunst der Moderne. Die Verbindung dieser Schwerpunkte stellt das Interesse für die technische Konstitution und Formung menschlicher Subjektivität dar. Zahlreiche Veröffentlichungen u.a.: Abstraktion - Kapitalismus - Subjektivität. Die Wahrheitsfunktion des Werks in der Moderne (München 2008); Produktionsästhetik (Zürich/Berlin 2010); „Geld und Bild bei Andy Warhol“, in: Inge Hinterwaldner (u.a.) (Hg.), Einwegbilder (München 2016); „Schrift und Sediment. Figuren der Zeitlichkeit in Marcel Broodthaers’ Werk“, in: Ulla Haselstein (u.a.) (Hg.), Allegorie, DFG-Tagungsband (Berlin 2016); „Dispositive der Formgenese. Zwischen Perspektive und Abstraktion“, in: Markus Klammer (u.a.) (Hg.), Formbegriff und Formbildung. Das Formdenken der Moderne (im Erscheinen).